Ullrich Kockel, Wozu eine Europaische Ethnologie- und welche?
gespannter öffentlicher Haushalte sind nahezu alle geistes- und mittler-weile auch viele sozialwissenschaftliche Fächer einem stetig wachsendenLegitimationszwang ausgesetzt, und finden sich so graduell in dieselbemarginale Lage gepresst, in der unser Feld im Königreich von jeher sitzt.Von den großen Philologien ist an britischen Universitäten kaum nochetwas übrig, Philosophie ist vielerorts längst begraben oder hält sich, ver-steckt sich in anderen Fächern, mehr schlecht als recht über Wasser; mitAusnahme von Geschichte und Anglistik scheinen fast nur noch Fächererwünscht zu sein, die einen direkt d.h.: ohne weiteres Nachdenken
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erkennbaren Marktwert haben. Angesichts der bildungs- und for-schungspolitischen Situation stellt sich für Europäische EthnologInnenim Königreich zunehmend die Frage, was wir einzubringen vermögen,das andere Fächer( zumindest so) nicht leisten können.4
Im Folgenden möchte ich zunächst drei Spielarten der EuropäischenEthnologie etwas näher beleuchten und dabei tentative Wegzeichen fürdie weitere Diskussion setzen, bei der es dann um Aspekte des Erkennt-nisprozesses und der Interdisziplinarität gehen soll, bevor ich mich derFrage zuwende, was eine Europäische Ethnologie heute tun kann undsollte, wobei auch kurz auf das» warum«< einzugehen sein wird, und wiedas im konkreten Fall aussehen mag.
Europäische Ethnologie als Fachwissenschaft vom Hiesigen
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Zunächst und vielleicht am naheliegendsten, wenn das klassische Ver-ständnis der Volkskunde als Partner und Spiegelbild der Heimatkundeins Auge gefasst wird kann Europäische Ethnologie als Fachwissen-schaft vom Hiesigen verstanden werden. Dabei ist anzumerken, dass die-
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4 Dass Hermann Bausinger schon in seiner klassischen Einführung in die Volkskundediese Frage ähnlich stellte, zeigt, daß die Lage im deutschsprachigen Raum, trotzder vergleichsweise stärkeren Position des Faches hier, so anders auch wieder nichtist bzw. war. Siehe Hermann Bausinger: Volkskunde. Von der Altertumsforschungzur Kulturanalyse. Darmstadt 1971. Vgl. hierzu auch: Christine Burckhardt- Seebass( Hg.): Zwischen den Stühlen fest im Sattel? Eine Diskussion um Zentrum, Perspek-tiven und Verbindungen des Faches Volkskunde. Hochschultagung der DeutschenGesellschaft für Volkskunde, Basel. 31. Oktober- 2. November 1996. Göttingen1997; Gudrun König, Gottfried Korff( Hg.): Volkskunde' oo. Hochschulreform undFachidentität. Hochschultagung der deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Tübin-gen, 9.- 11. November 2000. Tübingen 2001.
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