Brigitta Schmidt- Lauber,» Der zwölfte Mann<<
ball ist in vielen Ländern Nationalsymbol, in Deutschland fast als einziglegitimes Nationalsymbol mit wachsender Bedeutungspluralität übriggeblieben, und auch in Österreich ist das Ballspiel- obwohl nicht Nati-onalsport Nummer eins- als nationales Symbol abrufbar. Nicht zuletztdie anlässlich der Europameisterschaft 2008 zahlreichen Erinnerungenund die wiederholten Inszenierungen des» Wunders von Córdoba«< zei-gen dies.
In den letzten Jahren haben Großveranstaltungen gerade im Fußballin wachsendem Ausmaß eine breite Zurschaustellung nationaler Symbole( besonders von Nationalflaggen) erkennen lassen. Flaggen und National-farben sind selbst in Deutschland wieder populär geworden, 95 nachdemsie nach dem Zweiten Weltkrieg in der Öffentlichkeit( mit Ausnahmestaatlicher Selbstpräsentationen) lange Zeit unüblich waren und als poli-tisches Signal rechten Gruppierungen zugeschrieben wurden. Im Wissenüber die Bedeutung der Fahne als Symbol und Identifikationsobjekt wur-de in Österreich eigens für die Dauer der Europameisterschaft 2008 derParagraph 54 des Kraftfahrgesetzes kurzfristig außer Kraft gesetzt, damitauch Privatautos sich mit dem österreichischen Bundesadler beflaggendürfen. Der zuständige Verkehrsminister Werner Faymann begründeteden Erlass mit den Worten:» Natürlich sollen patriotische Fußballfansihr Auto mit dem österreichischen Wappen schmücken dürfen.« DerJournalist Dirk Schümer spricht in diesem Zusammenhang von einem>> sportlichen Nationalismus«<, der dem gewaltsamen politischen Nationa-lismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts gefolgt sei.97 In der Tat sinddie Unterschiede nicht zu übersehen. Es hat nicht nur eine Verlagerung
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Die WM 2006 löste in Deutschland nicht nur eine breite Begeisterung für Fuß-ball, sondern auch dafür aus, nationale Symbole wie die Flagge und die Nationalfar-ben( wieder) öffentlich zu zeigen und sich zu feiern. Der darin mitunter vermutete>> neue Nationalismus«< wurde international zur Kenntnis genommen, teils mit Sorge,zumeist aber als unbedrohliches Selbstbewusstsein und friedliche Form des Feiernsgoutiert, mit der sich Deutschland in seiner Selbstinszenierung als freundlicher Gast-geber ein neues Image zu geben trachtete- das Motto der WM lautete»> Die Welt zuGast bei Freunden<<.
Zit. in: Andrea Katschthaler: Die Versicherung zahlt sicher nicht. Euro- Fahnen:Wappen am Auto juristisch nicht strafbar, bei einem Unfall kann es allerdings teuerwerden, in: Wiener Zeitung, 29.5.2008, http://www.wienerzeitung.at/Desktop De-fault.aspx? TabID= 4649& Alias= sport& cob= 352159& currentpage= 24( aufgerufen
am 10.8.2008).
Dirk Schümer: Der Pass spielt keine Rolle, in: F.A.Z., 131, 7.6.2008, S. 130 f.
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