Brigitta Schmidt- Lauber,» Der zwölfte Mann<<
zahlreichen Ritualisierungen der Akteure begleitet wie dem Kleidungs-wechsel am Spieltag, der strukturierten und formalisierten Anreise bishin zu Fürbitten bezüglich des Ausgangs.75 Auch die einzelnen Spiele fin-den regelmäßig und nach geregeltem Ablauf statt: Die Gesamtdauer, dieAufteilung in zwei Wettkampfzeiten und auch die Abläufe drum herumwie dazwischen sind vertraut und wiederkehrend wie das Vorstellender Mannschaftsaufstellung bzw. Spieler durch den Stadionsprecher, dasdurch Musik, Fahnen und Rufe des Publikums gerahmte Einlaufen derMannschaft oder die Begrüßung der Mannschaftskapitäne und Schieds-richter etc.
Rituale bilden Zäsuren. Auch das zeigt sich beim Fußball deutlich:Für Fans ist Fußball ein verlässlicher Markstein im Wochen- und Jahres-lauf, ein Strukturelement im Zeiterleben. Durch die Aufteilung in Spiel-zeiten sowie in verschiedene Ligen und Wettbewerbsklassen und durchdie regelmäßig stattfindenden Wechsel zwischen Heim- und Auswärts-spielen gliedert Fußball für seine Anhänger Zeit. Die auf diese Weisevom Fußball abgesteckten Zeiträume liegen in Minuten-, Tages- undWocheneinheiten und sie reichen bis zu einer Zeitspanne von vier Jah-ren, in denen die Kräfte auf internationalem Niveau wieder neu gemes-sen werden, so bei den Welt- und Europameisterschaften. Damit spiegeltFußball gesellschaftliches Zeitbewusstsein, wobei vier Jahre in der aktu-ellen Zeit- und Bewusstseinsforschung schon als sehr langer Zeitraumgelten, als vielleicht längste Spanne, in der heute geplant wird bzw. all-tagsweltlich Planungssicherheit besteht.
Fußball ist Strukturelement im Alltag; zugleich sind Stadionbesuchevon der Forschung vielfach aber auch als Ausbrüche aus dem Alltag dar-gestellt worden, die gleichwohl selbst schon zur Konvention geronnensind. Kurzfristig sind geläufige Normen außer Kraft gesetzt und durchandere ersetzt. Wie gesagt dürfen Männer im Stadion weinen; der nach-mittägliche Biergenuss, das» Du« und enger Körperkontakt gegenüberwildfremden Menschen sind normal und selbstverständlich; zudem istes sozial geradezu gefordert, in der Öffentlichkeit zu singen, lauthals zu
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Olaf Bockhorn, Gunter Dimt, Edith Hörandner( Hg.): Urbane Welten. Referate derÖsterreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz. Wien 1999, S. 435-449.Michael Prosser:» Fußballverzückung« beim Stadionbesuch. Zum rituell- festivenCharakter von Fußballveranstaltungen in Deutschland, in: Markwart Herzog( Hg.):Fußball als Kulturphänomen. Kunst –- Kultur- Kommerz. Stuttgart 2002, S. 269-
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