Brigitta Schmidt- Lauber,» Der zwölfte Mann<<
Stimmung. Die Zuseherinnen und Zuseher reagieren lauthals und gesten-reich auf den Spielverlauf und versuchen, durch Gesang18, rhythmischesKlatschen, Zurufe oder spezifische Aktionen Einfluss auf die Mannschaftzu nehmen. Die Handlungen finden spontan oder routiniert statt. EinBeispiel eines verfestigten Fan- Rituals ist die» Rapid- Viertelstunde«<: das15- minütige Klatschen der Fans vor Spielende beim Wiener Erstligistenund neuerlichen Meister des Jahres 2008.19 Psychologen interpretierenzwar die Wirkung lauten Fanverhaltens kontrovers, doch der Heimvor-teil war lange Zeit unumstritten20: Ältere Untersuchungen haben erge-ben, dass drei Viertel aller Elfmeter den Heimmannschaften zugespro-chen werden, während 70% der Platzverweise auf die Gastmannschaftengehen. 21 Neueren Erhebungen zufolge ist der Heimvorteil dagegen seitEnde der 1980er, Anfang der 1990er Jahre am Schwinden. So spricht eineStudie der Universität Dortmund bereits vom» Mythos Heimvorteil<<. ²²
Ungeachtet der Wirkung auf den Spielverlauf haben sich die Akti-vitäten der Fans mittlerweile verselbständigt und zu imposanten Schau-stücken entwickelt. Das Stadion stellt auch für die Fans, deren Hand-lungen sich perfektioniert und professionalisiert haben, eine Bühne dar.Das zeigt sich besonders bei den aufwändigen Choreographien. Wäh-rend derartiger Großzeremonien verwandeln Fans zu einem festgelegtenZeitpunkt- meist zu Beginn einer Partie – durch koordiniertes Erhebenfarbiger Tafeln, Luftballons oder Papierstreifen das bunte Nebeneinan-der der Stadionkurven in ein streng geordnetes Muster oder Bild. Aufdiese Weise entstehen auf den Zuschauertribünen erkennbare Gebildewie überdimensioniert große Herzen, Schiffe, Nationalflaggen oder Ver-einslogos. Damit erzeugen Fans einen gewaltigen Eindruck, der die Redevom zwölften Mann nochmals bekräftigt.
18 Vgl. Reinhard Kopiez, Guido Brink: Fußball- Fangesänge. Eine Fanomenologie.Würzburg 1998.
19 Vgl. Heidi Thaler: Anna und ich im Klub der Hoffnungsvollen. Ein Lagebericht ausWien, in: Antje Hagel, Nicole Selmer, Almut Sülzle: Gender kicks. Texte zu Fußballund Geschlecht. Frankfurt/ Main 2005, S. 53-56, hier S. 53.
20 Vgl. Susanne Mitternacht: Ole, ole, ole, ole. Forschungsfeld Fußball, in: http: //www.fluter.de/de/fussball/thema/4892/?tpl=86( aufgerufen am 6.5.2008).
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Vgl. Matias Martínez: Warum Fußball? Eine Einführung, in: Ders.( Hg.): Wa-rum Fußball? Kulturwissenschaftliche Beschreibungen eines Sports. Bielefeld 2002,S. 7-35, hier S. 17.
22 Vgl. Heimvorteil in der Krise, in: http://derstandard.at/Text/?id=3362024( aufge-rufen am 7.7.2008).
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