Brigitta Schmidt- Lauber,» Der zwölfte Mann<<
längst nicht nur eine fußballbegeisterte Klientel an. Eines seiner Logosist der Totenkopf, der von Fans ins Stadion getragen, zunächst zögerlichvon offizieller Seite als Symbol anerkannt wurde, inzwischen aber effektivund auf breiter Ebene vermarktet wird. Zutiefst im Stadtteil St. Pauli ver-ankert, lebt der FC St. Pauli doch auch gerade von seiner überregionalenDimension und Ausstrahlung. Fanclubs des Vereins gibt es europaweitin Österreich zum Beispiel die» St. Pauli Boys Taufkirchen<< oder dieFangemeinschaft» Partizan Ebensee«<, in England die» Birmingham Boysin Brown<< und in Spanien den Fanclub» El Grano«.
Schon in diesem Vorhaben eines Studienprojektes zeigt sich ein zen-trales Kennzeichen des Faches und seiner Herangehensweise: Die Euro-päische Ethnologie erforscht Alltagskulturen und zwar an Ort und Stelledes Geschehens, auch vor der eigenen Haustür, und folgt dann den Ver-netzungen. Sie sucht in mikroanalytischen Studien Zugang zu kulturel-len Erscheinungen und nimmt dabei besonders die Erfahrung und Praxisvon Akteuren in ihren alltäglichen Lebenszusammenhängen in den Blick.Auf der Grundlage unmittelbarer Anschauung und Vermittlung werdenkonkrete Ereignisse und spezifische Gesellschaftsausschnitte möglichstdicht und lebensnah beschrieben, und auch in historischer Perspektive istder Blick aufs Detail, auf Alltag und Leben in spezifischen Gesellschafts-ausschnitten kennzeichnend.
Das Stadion und die Fans: Produktion und Rezeption populärer Kultur
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Die Europäische Ethnologie befragt Fußball in seiner Dimension als All-tagspraxis der beteiligten Akteure als Aspekt der alltäglichen Lebens-gestaltung und sozialen Positionierung für Trainer, Spieler, Zuschauerund Kommentatoren. Von besonderem Interesse ist dabei auch das un-mittelbare Geschehen im Stadion: das Ereignis und Erleben eines Fuß-ballspiels. Auf dieses konzentriere ich mich im Folgenden. Im Stadionfinden wir zwar nicht den dritten, aber den» zwölften Mann«, also jeneMenschen im Kollektivsingular, die das Spiel zuschauend und kommen-tierend verfolgen: die Fans.» Der Fan ist eine populäre Rezeptionsfigur,die sich durch spezifische Verhaltensweisen auszeichnet. Diese werdenunter dem Begriff> Fandom ‹ zusammengefasst, der darüber hinaus auchdie Verbindung zu Gleichgesinnten und die Beziehung der Fans« ´ zumObjekt ihrer Begierde beinhaltet, wissen Udo Göttlich und MohiniKrischke- Ramaswamy im Handbuch populäre Kultur zu definieren. 14
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