356 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIII/ 112, 2009, Heft 3
Wissenschaft
Start des Trebitsch- Projekts:
Regionale Kultur im Spiegel musealer Sammlungen.Analyse der Kollektionen von Rudolf Trebitsch( 1876–1918)vor dem Hintergrund europäischer Regionalisierung
Das Österreichische Museum für Volkskunde beherbergt, neben ande-rem europäischem Material, interessante und international wenig be-kannte Sammlungen ethnographischer Gegenstände aus der Bretagneund dem Baskenland auf spanischer wie französischer Seite. Sie stammenvon dem Wiener Anthropologen und Sprachwissenschaftler Rudolf Tre-bitsch( 1876-1918), der auch frühe Tonaufnahmen und Photographienvon seinen ausgedehnten Forschungsreisen zwischen 1906 und 1913 mit-gebracht hat( neben Frankreich und Spanien u.a. aus Grönland, Irland,Wales, Schottland und der römischen Campagna). Bei den insgesamtmehr als tausend Objekten, Photos, Musik- und Sprachaufnahmenheute in verschiedenen Wiener Sammlungen verwahrt handelt es sichteilweise um ausgesprochene Raritäten und um Zeugnisse eines frühenwissenschaftlichen Interesses an bestimmten europäischen Regionalkul-
turen.
Der Sammlungsbestand von Rudolf Trebitsch bietet über seine fach-geschichtliche Bedeutung für mehrere kulturhistorische Disziplinen hi-naus auch Anknüpfungspunkte für gegenwärtige Fragestellungen überIdentität, kulturelle Repräsentation, regionale Kultur und deren Instru-mentalisierung und Nutzen vor dem Hintergrund einer dynamischenGesellschaftsentwicklung in Europa. Ein internationaler und interdiszi-plinärer Dialog zu diesen und weiteren Themen wurde durch einen Stu-dientag am 18. April 2008 angestoßen( vgl. Tagungsbericht von MatthiasBeitl in: ÖZV, LXII/ 111, S. 316–321). Es referierten: Margot Schindler,Österreichisches Museum für Volkskunde, Einführung; Amaia Baster-retxea, Euskal Museoa Baskisches Museum für Archäologie, Ethno-graphie und Geschichte, Bilbao; Rafael Zulaika, Baionako Euskal Mu-seoa- Musée Basque et de l'histoire de Bayonne, Herbert Nikitsch,Institut für Europäische Ethnologie, Universität Wien; Matthias Beitlund Herbert Justnik, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien;Hana Dvořáková, Mährisches Museum Ethnographisches Institut;Christian Feest, Museum für Völkerkunde, Wien; Christian Liebl, Pho-