Aufsatz in einer Zeitschrift 
Eine Lanze für Luzifer!
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Martin Scharfe, Eine Lanze fur Luzifer!

( Sie haben recht gehört: der Poet, Historiker und Philosoph FriedrichSchiller!) in seiner Exegese der biblischen Schöpfungsgeschichte, 1790,nicht mehr, wie die Theologen seiner Zeit, vom Resultat böser Einflü-sterungen der Schlange sprach, sondern von Reflexion, vernünftigerEinsicht und Selbsterkenntnis Adams. Was anderen als Sündenfall desMenschen galt, wurde nun gewürdigt als» erste Äußerung seiner Selbst-tätigkeit, erstes Wagestück seiner Vernunft«<, ja als» erster Anfang seinesmoralischen Daseins«<» ohne Widerspruch«<, setzt Schiller hinzu,»> dieglücklichste und größte Begebenheit in der Menschengeschichte<<. 6

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Diese Befreiung des Denkens über Luzifer war eine kulturelle Er-rungenschaft, die nicht mehr in Vergessenheit geraten konnte bis hinzu Friedrich Nietzsches Anmerkung aus dem Jahre 1886: der Teufel sei>> der älteste Freund der Erkenntniss«; und bis hin zur Neuaufstellungdes Tiroler Volkskunstmuseums im Jahre 2009. Aber Sie wissen schon:Wir treiben hier keine Theologie, es geht um die Rehabilitation Luzifersnicht als theologischer, sondern als kultureller Figur; und Sie wissen wei-terhin: Larve und Gewand unseres Innsbrucker Luzifers stammen auseinem Theater- Fundus nehmen wir ihn also als eine Figur des Thea-ters,des Spiels, des Spielens mit Ideen und Einfällen!

Luzifers Fragen, Einwände und Zumutungen

Und diese Figur des Theaters tritt nun im Bildungstheater Museum auf- in der neuen Rolle des kritischen und selbstkritischen Museologen: dieMundwinkel zu einem wissenden oder ironischen Lächeln verziehend,mit einem Auge zwinkernd, an bestimmten Stellen sich räuspernd, viel-leicht auch hüstelnd, am Ende schallend lachend jedenfalls mit Gebär-

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Friedrich Schiller: Etwas über die erste Menschengesellschaft nach dem Leitfadender Mosaischen Urkunde( 1790), in: Schillers Werke. Hg. von Ludwig Bellermann.Bd. 10( Hg. von Wolfgang Stammler). 2. Aufl. Leipzig, Wien o. J., S. 217-235, S. 219.- Zur Bedeutung dieser Stelle für eine moderne Kulturtheorie( und zur BedeutungSchillers als Kulturtheoretiker) vgl. Martin Scharfe: Menschenwerk. Erkundungenüber Kultur. Köln, Weimar, Wien 2002, S. 27-31.

Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zu-kunft( 1886), in: Ders.: Sämtliche Werke. Kritische Studienausgabe. Hg. von GiorgioColli und Mazzino Montinari. 2. Aufl. München, Berlin, New York 1988. Bd. 5,S. 9-243, S. 95.

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