Aufsatz in einer Zeitschrift 
Wie sich die Disziplin denkt : europäische Ethnologie zwischen Kulturanalyse und Sachkulturforschung
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Gudrun M. König, Wie sich die Disziplin denkt

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Warenhäuser den» Schauwert der Dinge«< 36, um Geschichte zu vermit-teln, ästhetisch zu erziehen und Wissen zu kommunizieren. Diese Asser-vatenkammern der Geschichte beherbergen in der Regel Hinterlassen-schaften, Überreste und Spuren zeitlich oder räumlich fremder Kulturen.Die»> Dirigenten der Erinnerung« 37 sind zum einen Zeugen vergangenerZeit, materiale Reste, die Geschichte vergegenwärtigen, zum anderenaber auch Repräsentanten und Quellen der Forschung. Insofern benötigtgerade die Forschung den dinglichen Erinnerungsschatz der Museen, umin Anlehnung an den Historiker Reinhart Koselleck das>> Vetorechtder Dinge<< einzuholen. Eine Formulierung, der sich Bal mit den Wi-derworten der Dinge nähert und das Vetorecht gewissermaßen zuspitzt.Die Erwiderungen der Dinge begreift sie als eine respektvolle Haltungim Forschungsprozess, die die Möglichkeit einschließt,» die Stoßkraft ei-ner Interpretation zu bremsen, abzulenken und zu komplizieren( sic).<< 38Koselleck hingegen hat allgemein auf das» Vetorecht der Quellen«< auf-merksam gemacht:» Streng genommen kann uns eine Quelle nie sagen,was wir sagen sollen. Wohl aber hindert sie uns, Aussagen zu machen,die wir nicht machen dürfen. Die Quellen haben ein Vetorecht. Sie ver-bieten uns, Deutungen zu wagen oder zuzulassen, die aufgrund einesQuellenbefundes schlichtweg als falsch oder als nicht zulässig durch-schaut werden können.«< 39 Beziehen wir Dinge als historische Quellenund als Zugang zur Geschichte mit heran, so obliegt auch ihnen, uns vorinterpretativem Irrtum zu schützen,» nicht aber sagen sie uns, was wirsagen sollen<<. 40 Das heißt aber auch, dass Dinge nur im Forschungskon-text zu deuten sind. Nicht das Ding zeugt, sondern erst ihre deutendeErschließung macht das Ding zum Zeugen der Geschichte. Museen undLehrsammlungen sind die Orte, an denen die Dinge mit Vetorecht ge-hortet, gestapelt und gezeigt werden, sie sind eine Versammlung vonEinsprüchen.

36 Vgl. Gudrun M. König: Konsumkultur. Inszenierte Warenwelt um 1900. Wien u.a.2009.

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Adriaan de Jong: Die Dirigenten der Erinnerung. Musealisierung und Nationalisie-rung der Volkskultur in den Niederlanden 1815-1940. Münster u.a. 2007.Bal( wie Anm. 16), S. 18.

Reinhard Koselleck: Standortbindung und Zeitlichkeit. Ein Beitrag zur historiogra-phischen Erschließung der geschichtlichen Welt, in: Ders.( Hg.): Vergangene Zu-kunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. 3. Aufl. Frankfurt/ Main 1984, S. 206.Ebd.

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