312 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIII/ 112, 2009, Heft 3
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porieren aber zugleich Vermächtnisse und Erinnerungen, die bei ihremEinsatz entfaltet werden. Sie bedürfen permanenter Überprüfung undNeubewertung. Die anhaltende Reflexion der Namensfrage im Fachstellt Einheit her, wo inhaltliche Vielfalt waltet. Im Sinn von Kuhns Pa-radigmavorstellungen ist diese Konstellation als ein gemeinschaftsstif-tendes Verfahren eines Faches zu werten, das durch heterogene Gegen-standsgebiete und plurale Ansätze charakterisiert ist. 18
Wie die Begriffe wandern auch die Dinge zwischen Disziplinen undKulturen. Der ökonomische Warenverkehr, die Möglichkeiten des Inter-nets und die Formen globaler Stile bestärken die Nomadenexistenz derDinge und tragen paradoxerweise ebenso zur Homogenisierung wie zurHeterogenisierung globaler und lokaler Verkehrsformen bei.
Der Konsumexperte Wolfgang Ullrich dachte jüngst über die» Glo-balisierung des Visuellen«<, über die weltweite Konsumierbarkeit vonZeichen, nach. Angefangen bei Otto Neuraths Bildstatistik und Isotypenbis zu Walt Disneys Micky Maus analysierte er die verbindenden in-terkulturellen Elemente der Bildlektüre. 19 Leitmotive der Globalisierungsind aber nicht nur visuelle, sondern auch materielle Nomaden. Die loka-le und globale Bezüglichkeit der materiellen Kultur führt zu Fragen nachden translokalen Objekten als Produkten von Zirkulation und Transfer.Zu der Homogenisierung, aber auch zu neuen Mischungsverhältnissenträgt nicht nur der schwedische Möbelkonzern Ikea bei. Der weiße Plas-tikstuhl, das Palästinensertuch und das vierbeinige Partyzeltdach sind beider Globalisierung des Materiellen ebenso vertreten wie Pizza, Pasta undSushi.»> Follow the things«< lautet eine der ethnographischen Forschungs-regeln in George Marcus'» multi- sited fieldwork«. 20 Ayse Çaglars Unter-suchung über»> die zwei Leben«< 21 des deutsch- türkischen Couchtischesist eine würdige Nachfolgerin von Martin Warnkes» Zur Situation der
17 Vgl. ebd., S. 11.
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Kuhn( wie Anm. 6), S. 188f.
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Wolfgang Ullrich: Bilder für die ganze Welt. Zur Idee einer Globalisierung des Vi-suellen, http://www.sin-net.de/interaktiv-muc/Aktivitaeten/Salon/Archiv/Ullrich-Bilder_fuer_die_ganze_Welt.pdf( letzter Aufruf: 12.6.2009).
George Marcus: Ethnography in/ of the World System. The Emergence of Multi-Sited Ethnography, in: Annual Review of Anthropologie, 24, 1995, S. 95–117.( Erneutabgedruckt in: Ders.: Ethnography through thick and thin. Princeton, New York1998, S. 79-104.)
Ayse Çaglar: Die zwei Leben eines Couchtisches. Die Deutsch- Türken und ihreKonsumpraktiken, in: Historische Anthropologie, 2, 1998, S. 242- 256.