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OZV LXIII/ 112, 2009, Heft 2
Folgenden zeigt Franz auf, wie Loos anhand nationaler Gegenüberstel-lungen das Moderne und das Nicht- Moderne typisiert( S. 94), geht aller-dings dann nicht weiter auf die Ethnisierung von Kultur ein, die Loos inder ihm üblichen Form der apodiktischen Dichotomie( die das gesamteText- Werk durchzieht, aber in keinem der Beiträge zum Thema wird)konstruiert. Unklar bleibt übrigens auch der Kulturbegriff bei Loos, au-ẞer man blickt auf die von Loos geforderte Trennung von Kunst undHandwerk- wobei Handwerk mit Kultur verbunden ist:» Ich behaupte,dass der gebrauch die kulturform, die form der gegenstände schafft. Dieanderen, daß die neugeschaffene form die kulturform( sitzen wohnen,essen usw.) beeinflussen kann.«( Adolf Loos, zit. nach Franz S. 95).
Die Reformbestrebungen Loos' ziehen sich durch den gesamtenBand, werden jedoch besonders in Inge Podbreckys Beitrag zur Sied-lungsarchitektur beleuchtet. Hier findet auch der Versuch statt, Loos'schwankende politische Positionen und Haltungen näher zu analysie-ren. Die Befindlichkeit zwischen Kommunismus und paramilitärischerrechter Heimwehr( S. 143) zeigt deutlich, wie politisch Loos in seinemapodiktischen Weltbild letztlich dennoch ist( und handelt), auch wenndie Brisanz einer solchen Haltung in keinem Beitrag eigens hervorgeho-ben wird. Das Bild vervollständigt sich hinsichtlich der Bedeutung undRolle der Frau in den Schriften und im Leben von Adolf Loos und derRezeption des Hauses am Michaelerplatz( S. 149), mit der Anne- KatrinRossberg ihren Beitrag» Loos' Frauenzimmer« beginnt. Während hieraus der Kenntnis historischer und literarischer Frauengemächer die Ide-en und Ausführungen Loos' betrachtet werden, versucht Susana Zapke,eine methodische Durchdringung mancher Formen und Ideen Loos' ausder Verbindung zu Arnold Schönberg und dessen Musik zu extrahieren(»> Adolf Loos- Arnold Schönberg. Wie sich das Äußere aus dem Innerenergibt. Chronik einer geistigen Interaktion«). Präzise nähert sie sich ih-rem Thema, klar reflektiert im Erkenntnisinteresse und deutlich im Er-kennen wie auch im Zeigen dessen, was zu sehen( hören) ist. Sie zeichnetanhand des Briefwechsels, des Textnachlasses von Schönberg und Loossowie anhand von Möbelentwürfen und Spieldesigns von Arnold Schön-berg nach, wie beide» analoge Wege beschritten und koinzidente Aus-drucksformen in ihrem künstlerischen Schaffen entwickelt haben. Ihregeistige Interaktion ist als[...] wechselseitige Bestätigung ihrer kreativenProzesse[...] im Kontext einer entscheidenden Phase des kulturellenWandels im Wien der Jahrhundertwende zu deuten«( S. 174).