Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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Literatur der Volkskunde

behandelten österreichischen Vereinsgesetz von 2002 und der Aufwer-tung des Ehrenamtes anerkannt wird).

Einzelheiten aufzugreifen, fühle ich mich nicht genügend kompetentob bezüglich der technischen Probleme des Exportierens und Ausdru-ckens oder der Verknüpfung der drei CDs( da nennen manche NutzerSchwierigkeiten), ob bezüglich der Auswahl und Darstellung der Bräuche.Wichtig ist mir, dass das Projekt eine aktuelle Rolle des Faches einklagt.

Die Frage, ob die Mediengesellschaft» Bräuche« benötige, wird mitHinweis auf den» sozial- kommunikativen Gebrauch von Bräuchen<< be-antwortet: Vielfach ursprünglich Rechtsbräuche der Ständegesellschaft,sind die Bräuche scheinbar» still gestellt«<, durch Zerstörung und Erosi-on der alten ständischen Lebenswelten scheinbar überflüssig und ortlosgeworden aber sie leben weiter:» In einer Welt, die sich aufzulösenscheint, versuchen die Menschen, durch dieses Festhalten Stabilität her-zustellen«<, meint Konrad Köstlin. Aber es sind auch andere Interpreta-tionen denkbar: So wie wir nie» richtig modern« waren( Bruno Latour),so hat auch die bürgerliche Gesellschaft nie ihre eigenen Ideale restlosumgesetzt. Deshalb lebten und leben viele der ständegesellschaftlichenHerrschafts- und Sozialtechniken als» Bräuche<< weiter und diese Do-kumentation hebt, und das ist ihr Verdienst, Wandel und neue Zuord-nungsmöglichkeiten hervor.

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Jene der Ständegesellschaft eigenen, in der Kombination von Über-lebenstraining und Bräuchen, Festen und Feiern entwickelten sozialen>> Techniken<< können in der Gegenwart aktiviert werden als Teil jenes» Sozialkapitals«<, wie es derzeit vom» Bürgerschaftlichen Engagement«und den von ihm geknüpften und gelobten Netzwerken wieder entdecktwird. Was in der vorliberalen Gesellschaft mit Symboltechniken den so-zialen Zusammenhalt, kombiniert mit einfachen Formen der Solidarität,sichert, wird in der Gegenwart unter den Bedingungen der individuellenFreiheit des Bürgers und des schlanken Staates mit den Stichworten Bür-gergesellschaft, Zivilgesellschaft und Bürgerschaftliches Engagement mithohem Aufwand neu zu schaffen versucht. Angesichts der sozialen, demo-graphischen und lokalen Zustände und der desintegrierenden Trends imZusammenhang mit wachsender Armut, Argumentationsresistenz oderblickdichten Parallelwelten( keineswegs nur in migrantischen Milieus)sind für die Gesellschaftspolitik alle Formen neuer Gemeinschaftlichkeitund Gemeinschaftsbildung einschließlich der» Bräuche«< interessant.Dieter Kramer

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