Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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neuerDings

vorgang reichte das Wasser gerade. Nach dem Tod der Mutter wurdenhin und wieder Gäste in der Wohnung einquartiert und vorher in derHandhabung des Bades im Schrank unterwiesen. Als die Wohnung2008 aufgelöst wurde, verteilten sich die Fahrnisse wie üblich: Das Einoder Andere konnte man noch brauchen, was ging, wurde verkauft. Fürden Rest blieb die Entscheidung: Müll oder Museum.

Den Möbeln kommt im Wohngebrauch eine hohe Symbolkraft zu.Sie sind ein evidentes Merkmal des Lebensstandards. Im akademischenMilieu, wie in diesem geschilderten Fall, ist der Grad der Freiheit derNutzung und vor allem der Bewertung von Dingen des täglichen Ge-brauchs flexibler als anderswo, wo man versucht, die Hierarchie der so-ziokulturellen Einordnung so rasch es geht nach oben zu verschieben.Im Fall der alten Dame, die überdies über dreißig Jahre als Witwe miteiner möglicherweise kleinen Pension auskommen musste, konnte dieseüberkommene Form der Wohnausstattung aus den 1970er Jahren jedochlange überdauern.

eine

Was früher aus der Not der kleinen Wohnungen resultierteKüche, in der sich nicht nur Kochen und Essen abspielten, sondern auchdie Hausübungen der Kinder, das Zeitungslesen des Vaters, die Körper-pflege der ganzen Familie und vieles Andere mehr, also ein Großteil desWohnens schlechthin- kehrt, nach der Segregation der Familienmitglie-der durch die kleinräumigen Wohnungen der 1960er und 1970er Jahre( Frau in der Küche, Kinder im Kinderzimmer, Gäste im Wohnzimmer),heute in Luxusvarianten wieder: Küchen werden genauso in die Wohn-räume integriert wie Bäder, die, höchstens durch Glaswände getrennt,Ausblicke in die Stadt- und Dachlandschaften gewähren. Das( tägliche)Bad mutiert damit von der reinen Hygienemaßnahme zur Körperpflegemit Wohlfühlfaktor, die heute einem wesentlich größeren Teil der Be-völkerung zugänglich ist als noch vor dreißig oder vierzig Jahren.Margot Schindler

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