Aufsatz in einer Zeitschrift 
Abenteuer Mittelalter? : zur populären Mittelalter-Rezeption in der Gegenwart
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Abenteuer Mittelalter?

Zur populären Mittelalter- Rezeptionin der Gegenwart¹

Barbara Krug- Richter

Das Mittelalter ist» in«. Seit Jahren inszenieren Burgenund Schlösser, aber auch Städte in ganz Europa kommerzi-elle Events wie Mittelaltermärkte, Ritterturniere und Ähn-liches. Mittelalterliches wird auch mehr oder wenigerpopulär aufbereitet- regelmäßig in Funk und Fernsehenpräsentiert. Daneben existiert eine seit Jahren wachsendeSzene sogenannter Mittelalter- Aktivisten, die das>> Lebenwie im Mittelalter« als äußerst zeit- und kostenintensivesHobby betreiben. Der vorliegende Beitrag skizziert zumeinen die Hintergründe dieser populären Begeisterung füreine nur vermeintlich finstere historische Epoche. Er fragtdarüber hinaus danach, warum es ausgerechnet das Mittel-alter ist, das im ausgehenden 20. und frühen 21. Jahrhun-dert für derart viele Menschen eine Projektionsfläche fürIdeen und Fantasien bietet.

Wir schreiben das Jahr 2005: Am 3. Juli meldete die Hessische- Nieder-sächsische Allgemeine Zeitung, dass ein geistig verwirrter Mann in derhessischen Stadt Rotenburg drei Kinder mit einem Schwert bedroht

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Es handelt sich um die leicht überarbeitete, mit Fußnoten versehene Fassung meinesBewerbungsvortrags» Mittelalter überall? Zur populären Mittelalterrezeption in derGegenwartskultur« an der Universität Graz im Januar 2008. Dabei lässt sich selbstfür den kurzen Zeitraum, der zwischen den Erhebungen für den Vortrag im Januar2008 und der Aufsatzfassung Anfang 2009 lag, konstatieren, dass sich das Spektruman Mittelalterveranstaltungen weiter ausdifferenziert und vor allem erweitert hat.Dies lässt sich einerseits als Zeichen dafür lesen, dass das Mittelalter auch in kom-merzieller Hinsicht nach wie vor attraktiv ist, führte allerdings auch dazu, dass sichdie Internetauftritte etlicher Veranstalter im Verlauf des Jahres geändert haben. Vordiesem Hintergrund waren nicht alle 2008 notierten Zitate im Februar 2009 nochnachweisbar.