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OZV LXIII/ 112, 2009, Heft 2
ein Stubenhocker war. Wetterereignisse waren ihm nur dann wichtig,wenn sie Auswirkungen auf die Ernten und Erträge hatten. Bereits imRahmen seiner generellen Überlegungen in der Vorrede zu seinem Tage-buch im»> liber iuventutis«< räumt Weinsberg dem Klima jedoch größerenRaum ein. Unmittelbar nach seinen Erörterungen über Politik und Pestgibt er an, auch über Dürre, Misswuchs, Hagel, Feuersbrünste, Zinser-höhungen sowie Wein- und Bierkonjunkturen reflektieren zu wollen.Hier wird deutlich, dass der Kölner Ratsherr sich der Zusammenhängedurchaus bewusst war. 22 Auffällig ist, dass der Chronist das Wetter mitbemerkenswerter Unaufgeregtheit beschreibt, obgleich seine Chronikgenau den Beginn jener Epoche abdeckt, die ab 1566 eine deutliche undmarkante Abkühlung des Klimas und damit auch eine Ideologisierungder Wetterinterpretation brachte, die heute unter dem Stichwort KleineEiszeit firmiert. 23 Weinsberg, der sich an anderen Stellen ausführlich zuden Debatten seiner Zeit äußert, etwa auch zu den Hexenverfolgungen,schildert Wetterereignisse primär, wenn sie seine Mobilität behinderten,seine Konsumgewohnheiten bedrohten oder wenn sie ihn krank mach-ten.24 Pragmatisch waren auch seine Bewältigungsstrategien. Er ließ sichein frostsicheres Esszimmer in sein Haus einbauen und pelzgefütterte
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>> Von der durer zeit, misswass, hagelsclacht, brande und verhohung der zinsen weinsund beirs und anders hab ich mit angezagen.<< Im Folgenden spezifiziert Weinsbergdie Zusammenhänge:» Die veranderungen in religionssachen, von der Auspurgscherconfession, von dem Luthero, Zwinglio, Oecolampadio, Calvino, Bucero, Melan-thone, wie sich sulche widderwirdigen der romischer kirchen wonderlich geubt undDutschlant, Engellant, Denmark, Prussen, Saxen und andere vil landen, herrn undstet sich irer leir anhengich gemacht etc., hab ich nit uberhupt. Der sterbden undkrankheiten, waher die untstanden und wie man sich in den zeiten der pestilenz inColn gehalten und wie ich mich domails samt anderen angestalt, ist auch heir ange-zagen. Von der durer zeit, misswass, hagelsclacht, brande und verhohung der zinsenweins und beirs und anders hab ich mit angezagen. Der gebeu in Coln an graben, kra-nen, heusern, tornen, platzen, auch der gebeu am haus Weinsberch und miner frundehab ich nit stilswigend verbeigangen.<< Vgl. das Buch Weinsberg( wie Anm. 21), zit.in: http://www.weinsberg.uni-bonn.de/Edition/Liber_ Iuventutis/ Liber_Iuventu-tis.htm( letzter Aufruf: 4.3.2009).
23 Christian Pfister: Wetternachhersage: 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatast-rophen( 1496-1995). Bern 1999, bes. S. 53.
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>> Anno 1532 war ein uberaus kalter winter, dieweil ich das feber hatt, und der Rheinbestach sich glich oben Emerich und auch glich under der stat und uff s. Andreistagfroir der Rhein vur der stat glich und glat zu, wan das man den tag stein uff daseis warf, der ein feil durch, der ander bleib uff dem[ 53] eis warf, der ein feil durch,