10
OZV LXIII/ 112, 2009, Heft 2
ist im Rahmen der historischen Klimatologie ein erheblicher Zuwachsan Studien, welche die Klimaänderungen als einen der Einflussfaktorenauf den Menschen und seine Tätigkeit untersuchen, zu verzeichnen. 10Inzwischen hat sich die Klimaforschung zumindest ansatzweise mit densozialen Folgen und der Bewältigung von Naturkatastrophen und Na-turrisiken auseinandergesetzt, wenngleich der im Sinne unserer Diszip-lin kulturwissenschaftliche Aspekt allenfalls ansatzweise Eingang in dieDiskurse gefunden hat."
Grundlegend anders gestalteten sich die kulturanthropologisch- volks-kundlichen Sichtweisen auf Klima und Wetter. In der älteren Volkskundespielte die Beschreibung von Umwelteinflüssen seit den Anfängen umdie Wende zum 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle: Zunächst die frühenSammlungen oraler Traditionen sowie Statistiken und Topographien, inder Spätromantik die Arbeiten Wilhelm Mannhardts( 1857-1877) undschließlich die originär volkskundlichen Großprojekte der 1920er und
Europe in the early 1770s, in: Climate of the Past, 2, 2006, S. 115–129, http.//www.clim-past.net/2/115/2006( letzter Aufruf: 4.3.2009). Wolfgang Behringer: Climaticchange and witch- hunting: The impact of the Little Ice Age on mentalities, in: Cli-matic Change, 43, 1999, S. 335-351. Walter Bauernfeind, Ulrich Woitek: The influ-ence of climatic change on price fluctuations in Germany during the 16th centuryprice revolution, in: Climatic Change, 43, 1999, S. 303-321; Martin Gudd: SchwereGewitter im 18. und 19. Jahrhundert und ihre Auswirkungen auf die Kulturlandschaftzwischen Taunus, Spessart, Vogelsberg und Rhön, in: Siedlungsforschung, 23, 2005,S. 153-170.
10 Vgl. etwa Rüdiger Glaser, Winfried Schenk: Grundzüge der Klimaentwicklung inMitteleuropa seit dem Jahr 1000, in: Hartmut Hofrichter( Hg.): Fenster und Türenin historischen Wehr- und Wohnbauten. Kolloquium des Wissenschaftlichen Bei-rats der Deutschen Burgenvereinigung(= Veröffentlichung der Deutschen Burgen-vereinigung, Reihe B, Schriften 4; zugleich Sonderheft der Zeitschrift>> Burgen undSchlösser«<). Marksburg, Braubach 1995, S. 13-25.
11
Gerd Tetzlaff, Thomas Trautmann, Kai S. Radtke: Extreme Naturereignisse- Fol-gen, Vorsorge, Werkzeuge. Leipzig 2001; Christian Pfister: Am Tag danach. ZurBewältigung von Naturkatastrophen in der Schweiz 1500-2002. Bern 2002. Vgl.zur zunehmenden Akzeptanz kulturwissenschaftlicher Fragestellungen WinfriedSchenk, Andreas Dix( Hg.): Naturkatastrophen und Naturrisiken(= Siedlungsfor-schung, 23). Bonn 2005; sowie Dieter Groh, Michael Kempe, Franz Mauelshagen( Hg.): Naturkatastrophen: Beiträge zu ihrer Deutung, Wahrnehmung und Dar-stellung in Text und Bild von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Tübingen 2003.Aus der Perspektive der österreichischen Geographie hat Herwig Wakonigg jüngsteine lesenswerte Zusammenschau vorgelegt; Herwig Wakonnig: Klima im Wandel(= Austria: Forschung und Wissenschaft. Geographie, Band 1). Wien, Berlin 2007.