Extreme Wetterereignisse undKlimawandel als Perspektivekulturwissenschaftlicher Forschung
Gunther Hirschfelder
Extreme Wetterereignisse und Klimaschwankungen habenKultur und Alltag vormoderner Gesellschaften maßgeblichgeprägt. Innerhalb der Kulturwissenschaften wurde diesemTatbestand bislang kaum gebührend Rechnung getragen.Der vorliegende Aufsatz weist zunächst auf das enormePotenzial hin, das eine historisch argumentierende undgleichzeitig auf die Gegenwart gerichtete Kulturanthropo-logie/ Volkskunde bei der Analyse kultureller Interpretati-onen extremer Wetterereignisse zu eröffnen vermag. Umdiese Möglichkeiten nutzen zu können, bedarf es aller-dings einer interdisziplinären Klimafolgenforschung. Inhistorischer Perspektive begegnen einander höchst unter-schiedliche Strategien der Bewältigung von Extremwetter-ereignissen, die von einer primär individuellen ökonomi-schen Herangehensweise bis zur Ausbildung von Supersti-tionspraxen als kollektive Verhaltensstrategien reichen.
Der Kölner Chronist Hermann Weinsberg konnte am Winter kaum Gu-tes finden. 1578 zog er im letzten Teil seines Tagebuchs, dem» liber senec-tutis«<, Parallelen zwischen dem Charakter der Jahreszeiten und dem Le-ben des Menschen und kam zum Schluss, den harten Winter müsse manmit einem guten Pelz und einem guten Feuer lindern, wenn möglich inder warmen Stube. Dabei gebe es durchaus Genuss: Nun seien jene Dingezu nutzen, die man in den drei ersten Jahreszeiten angesammelt habe.'
1>> Der harte winter kan auch rhait finden und linderung mit einem gutter warmen peltzs,bei eim gutten feur, in einer warmen stoben, und genoist oder nutzst der drier vorigertheil des jars. Er erlustigt sich des groenenden blowenden frolings wan er dar an ge-