Herbert Nikitsch, Bemerkungen zu St. Engelbert
sucht 29 wobei in der oben zitierten Aufzählung anno 193630 übrigensnur eine solche Heiligenplastik genannt wird, nämlich die an der Stelledes ersten Spatenstichs für den Bau der Höhenstraße errichtete Engel-bertstatue als ungleich größer dimensioniertes, allerdings( wie ja diemeisten Dollfuẞdenkmäler) später zerstörtes Pendant zu unserem Engel-bert in der Minciostraße.
In dessen näherer Umgebung liegt auch eines der imposantesten Bei-spiele der Sakralisierung des Dollfußmythos, die 1933 bis 1934 von Cle-mens Holzmeister erbaute ehemalige Seipel- Dollfuß- Gedächtniskirche( die heutige Pfarrkirche Neufünfhaus) auf dem Krimhildplatz im 15.Wiener Gemeindebezirk. Dieses» Staatsmonument von kurzer Dauer<< 32war von Hildegard Burjan, Gründerin der Schwesternschaft>> CaritasSocialis<< und 1919/20 erste christlich- soziale Abgeordnete zur Konsti-tuierenden Nationalversammlung, initiiert worden – zunächst als letzteRuhestätte des 1932 verstorbenen Prälaten und Politikers Ignaz Seipel,zugleich aber wohl als eine Art Bollwerk im auch und gerade in diesem>> not- und elendvollen Bezirk«< 33 ausgetragenen Wiener Kulturkampf, wieer in demonstrativem Einsatz vehement popularisierter populärer Fröm-migkeit 34 in diesem Stadtteil voller Gemeindebauten des Roten Wien³5auch auf architektonischem Gebiet ausgetragen wurde. Bereits die am 30.Juli 1933, dem ersten Todestag Seipels, erfolgte Grundsteinlegung war- knapp fünf Monate nach der so genannten Selbstausschaltung des Par-laments am 4. März 1933 und damit dem Beginn des autoritären Kursesin Österreich als Staatsakt inszeniert. Doch die eigentliche Wandlung
30
31
32
33
34
Wie Anm. 25.
Abbildungen beispielsweise bei Erich Bernhard: Das leuchtende Band im Wiener-wald. Die Prestigebauten Wiener Höhenstraße und Kahlenberger Restaurant, in:Tabor( wie Anm. 4), S. 230–235, S. 232, oder Georg Rigele: Die Wiener Höhenstra-Be. Autos, Landschaft und Politik in den dreißiger Jahren. Wien 1993, S. 101( Abb.26).
Das Folgende nach Verena Pawlowsky: Staatsmonument von kurzer Dauer. Zu denBedeutungszusammenhängen einer Wiener Vorstadtkirche der 1930er Jahre, in: zeit-geschichte, 29, 2002, S. 3-24.
Womit seitens des Vorstands der» Caritas Socialis<< wohl vor allem die massive, ineinigen Bezirken besonders deutliche Kirchenaustrittsbewegung im Wien der Zwi-schenkriegszeit angesprochen war, zit. ebda., S. 4.
Korff( wie Anm. 14), S. 139.
35 Hans Hautmann, Rudolf Hautmann: Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919-1934. Wien 1980.
79