Herbert Nikitsch, Bemerkungen zu St. Engelbert
so ist auch der Hl. Engelbert, dieser kaum bekannte Heilige, der selbstin manchen einschlägigen Übersichten nicht genannt wurde¹9 und wird²º,hier als Ausdruck solcher politisch verfügbar gemachter Religion zu se-hen und so seine 1936 von Anton Endstorfer geschaffene Statue in derMinciostraße als ein Memorial für den zwei Jahre davor beim Juli- Putschermordeten>> Heldenkanzler«" Engelbert Dollfuẞ.
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Wir haben es also mit einem jener Denkmale zu tun, wie sie dergleich nach dem Tod dieses Politikers einsetzende Dollfußkult hervorge-bracht hat und das nicht nur in sehr großer Zahl, sondern auch in sehrunterschiedlicher Art. Einige öffentliche Verkehrsflächen trugen ja schonzu seinen Lebzeiten seinen Namen², doch kurz nach dem 25. Juli 1934erließ>> die Bundesleitung der VF.[...] an alle Landesleitungen die Wei-sung, dafür Sorge zu tragen, daß in allen Orten des Bundesgebietes[...]ehestens eine Straße oder ein Platz nach dem verewigten Bundeskanzlerund Führer Dr. Dollfuß benannt wird.«< 3 Und neben solchen immate-riellen Zeichen der Erinnerung 24 gab es natürlich auch unzählige Denk-mäler im konkreten Sinn des Wortes, die dem Gedenken österreichweitAusdruck verleihen sollten: Allein für die Bundeshauptstadt werden ineiner Meldung des Landeskulturreferenten der Vaterländischen Frontfür Wien vom 26. Juni 1936 rund 60» Dollfuss- Denkmäler« aufgezählt
18 Allgemein dazu Maximilian Liebmann: Von der Dominanz der katholischen Kirchezu freien Kirchen im freien Staat. Vom Wiener Kongreẞ 1815 bis zur Gegenwart, in:Rudolf Leeb u.a.: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der Spätantike biszur Gegenwart. Wien 2003, S. 361-456, v. a. S. 406–417.
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So etwa in dem weitverbreiteten und vielgebrauchten, erstmals 1886 von dem PriesterMathias Eisterer herausgegebenen und in den folgenden Jahrzehnten immer wiederneu aufgelegten Vorbetbuch» Katholische Volksandachten«<, das einen guten Einblickin die damalige Vielfalt des gottesdienstlichen Lebens der Erzdiözese Wien gibt undals Indikator seinerzeitiger popularer Frömmigkeit gelten kann; s. Johann Weissen-steiner: Welt- und Ordenspriester der Erzdiözese Wien als Verfasser von Gebet-büchern im 19. Jahrhundert, in: Anna Coreth, Ildefons Fux OSB( Hg.): ServitiumPietatis. Festschrift für Hans Hermann Kardinal Groer zum 70. Geburtstag. MariaRoggendorf 1989, S. 365-401, S. 381 f.
20 Beispielsweise in Otto Wimmer: Kennzeichen und Attribute der Heiligen. Inns-bruck, Wien 2000.
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Ein seinerzeit gängiges Epitheton; ein Beispiel unter vielen: A[ ttilio] R[ enato] Bleib-treu: Der Heldenkanzler. Ein Lied von der Scholle(= Bücher des Vaterlands, II.Bd.). Wien 1934.
Etwa in Klosterneuburg, s. Karin Liebhart: Österreichischer Patriot und>> wahrerdeutscher Mann<<- Zur Mythisierung des Politikers Engelbert Dollfuẞ, in: MichaelAchenbach, Karin Moser( Hg.): Österreich in Bild und Ton. Die Filmwochenschaudes austrofaschistischen Ständestaates. Wien 2002, S. 237-258, S. 241.
23 Reichspost vom 9. August 1934, zit. nach Klusacek/ Stimmer( wie Anm. 11), S. 428.
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