Aufsatz in einer Zeitschrift 
Bemerkungen zu St. Engelbert
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ÖZV LXIII/ 112, 2009, Heft 1

50er Jahren des 19. Jahrhunderts in mehreren Kapellen gewürdigt." Undauch der Hl. Brigitta, wenngleich» von nur lokaler Bedeutung«<, wurdezumindest in der nach ihr benannten Brigittenau» seit dem 17. Jahrhun-dert große Verehrung zuteil<< ¹²- was sicher auch bei der Wahl ihres Pa-tronats über das erste, 1935 im 20. Wiener Gemeindebezirk errichteteFamilienasyl eine Rolle gespielt hat. 13

Von einem solchen topographischen Bezug kann bei St. Engelbertund St. Richard allerdings ebenso wenig die Rede sein wie von derenPopularität als>> religiös Eingelebtes«< 14: Wie der letztgenannte, hierortsvöllig ungebräuchliche Heilige" wohl als Reverenz an den Initiator desFamilienasylprogramms, den ab 1934 amtierenden Wiener Bürgermeis-ter Richard Schmitz, gedacht war, ist auch St. Engelbert der Versuch,eine der»>> Volksfrömmigkeit« bislang fremde Heiligengestalt ins hiesigeKultrepertoire einzubringen. Und beides geschah in durchaus säkularerIntention. Denn das Spektrum des traditionellen Heiligenkults zu erwei-tern, neue religiöse Vertrauensgestalten einzuführen, war ja nicht nurein Anliegen der Kirche, die etwa in einschlägigen Publikationen» Ös-terreichische Märtyrer- Missionare« zu propagieren und» als Leitsternunseres Denkens und Handelns wieder vor uns aufleuchten zu lassen<< 17suchte. Es war auch im Interesse des mit dieser Kirche in enger Sym-biose stehenden Staates, bislang nicht geläufige Devotionsangebote inzeitpolitischer Funktionalisierung von Religion zu popularisieren. Und

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Als erste die 1854 anlässlich der Hochzeit Franz Josefs und Elisabeths errichtete Ka-pelle Am Himmel, Ortner( wie Anm. 8), S. 117 f. Und für den hier betrachteten Zeit-abschnitt vermeldet die Reichspost vom 18. November 1931:» Tausende pilgern indiesen Tagen zur Kirche der Elisabethinerinnen auf der Landstraße, in der das Hauptder hl. Elisabeth zur Verehrung ausgestellt ist«<, zit. nach Christine Klusacek, KurtStimmer( Hg.): Dokumentation zur österreichischen Zeitgeschichte 1928-1938.Wien, München 1982, S. 157.

12 Ortner( wie Anm. 8), S. 126.

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Das nicht mehr existierende» Familienasyl St. Brigitta«( Wien 20, Adalbert Stifter-Straße, Ecke Laygasse) war mit 216 Wohneinheiten der größte Asylbau, s. Familien-Asyle( wie Anm. 7), S. 11-14.

Gottfried Korff: Kulturkampf und Volksfrömmigkeit, in: Wolfgang Schieder( Hg.):Volksreligiosität in der modernen Sozialgeschichte(= Geschichte und Gesellschaft,Sonderheft 11). Göttingen 1986, S. 137-151, S. 139.

Richard von Chichester( Tag: 3. April), dargestellt als Bischof, oft mit Kirchenmo-dell und umgestürztem Kelch zu Füßen, s. Wolfgang Braunfels( Hg.): Lexikon derchristlichen Ikonographie. 8. Bd., Rom, Freiburg, Basel, Wien 1976, Sp. 267.Franz Österreicher: Vergeßt Eure Helden nicht! Österreichische Märtyrer- Missio-nare(= Veröffentlichungen des Kath. Akademischen Missionsvereins). Wien 1934.17 Josef Minichthaler: Heilige in Österreich. Innsbruck, Wien, München 1935, S. 5.

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