Herbert Nikitsch, Bemerkungen zu St. Engelbert
eines programmatisch staatstragenden politischen Katholizismus er-richteten Asylen jeweils auf einen» Amtsraum für Fürsorgerinnen undSeelsorger« nicht vergessen wurde, verwundert nicht- und auch nicht,dass diese Institutionen großteils nach Heiligen benannt worden sind,wobei die Wahl auf Leopold, Josef, Anna, Elisabeth, Brigitta, Richardund Engelbert fiel.
Als Patrone dieser ständestaatlichen Fürsorgeeinrichtungen findenwir also vor allem einige klassische» alte Heilige«, wie sie auch noch inden 30er Jahren in Wien durchaus populär waren: Leopold, Josef undAnna genossen hier» durchlaufende Verehrung«< 10, und die Hl. Elisabethvon Thüringen wurde als» Patronin der Kaiserin«< spätestens seit den
4 So wurden in dem von Bürgermeister Richard Schmitz initiierten Sozialprogrammzwischen 1935 und 1937 insgesamt rund Tausend bedürftigen kinderreichen Fami-lien ein meist aus Zimmer und Küche bestehender Wohnraum und gemeinsameEinrichtungen wie Waschküche und sanitäre Anlagen zur Verfügung gestellt; FranzBaltzarek: Wien 1934-1938. Die Geschichte der Bundeshauptstadt im autoritärenÖsterreich(= Wiener Geschichtsblätter 29, 1974, Sonderheft 2), S. 79 f; Barbara Fel-ler: Für die, die noch zu retten sind. Familienasyle und Nebenerwerbssiedlungen inWien 1934-1938, in: Jan Tabor( Hg.): Kunst und Diktatur. Architektur, Bildhauereiund Malerei in Österreich, Deutschland, Italien und der Sowjetunion 1922-1956.Bd. 1, Baden 1994, S. 212-215.
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Ernst Hanisch: Der politische Katholizismus als ideologischer Träger des>> Austro-faschismus«<, in: Emmerich Tálos, Wolfgang Neugebauer( Hg.): Austrofaschismus.Politik Ökonomie- Kultur 1933-1938(= Politik und Zeitgeschichte, 1). Wien52005, S. 68-86.
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Baltzarek( wie Anm. 4), S. 80.
Und auch einschlägige Hauszeichen aufwiesen( bzw. aufweisen), alle abgebildet in:Die Familien- Asyle der Stadt Wien. Übersicht über die unter Bürgermeister RichardSchmitz von der Wiener Bürgerschaft in den Jahren 1934–1936 beschlossenen bau-lichen Maßnahmen zum Schutze obdachlos gewordener Familien(= Wien im Auf-bau). Wien 1937. Die den genannten Heiligen gewidmeten ehemaligen Familienasylebestehen als städtische Wohnanlagen der Gemeinde Wien großteils bis heute. Abbil-dungen des jeweiligen Lageplans und der Gestaltung der Häuserfronten zum Errich-tungszeitpunkt ebenfalls in: Familien- Asyle der Stadt Wien. Czeike erwähnt nochzwei unbenannt gebliebene Anlagen in Wien 14 und 10; Felix Czeike: HistorischesLexikon Wien, Bd. 2, Wien 1993, S. 252 f.
Franz Ortner: Heiligenverehrung zwischen Romantik und Moderne in Wien(= Veröffentlichungen des kirchenhistorischen Instituts der katholisch- theologischenFakultät der Universität Wien 12). Wien 1972, S. 43.
Es sei hier nur an die zeitgenössischen Bestandsaufnahmen des Wiener Kulturhisto-rikers Gustav Gugitz erinnert: Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste im Volks-brauch Österreichs. Studien zur Volkskunde. 2. Bde., Wien 1949/1950.( Die darinversammelten Beiträge sind erstmals in den Jahren 1934 bis 1938 in verschiedenenWiener Zeitungsfeuilletons erschienen.)
Ortner( wie Anm. 8), S. 43.
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