Aufsatz in einer Zeitschrift 
Bemerkungen zu St. Engelbert
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Bemerkungen zu St. Engelbert

Herbert Nikitsch

Dass ein Denkmal, dieser Versuch, von Beständigem und Dauerndem zukünden,»> in unserem Zeitalter des Lärms und der Bewegung« gewöhn-lich nicht bemerkt wird', hat wohl nicht nur mit seiner Einbettung in denAlltagsblick zu tun, sondern oft auch damit, dass wir keinen Sinn mehrmit ihm verbinden und uns des Kontextes nicht mehr bewusst sind, indem das als beständig und dauerhaft Prätendierte und Propagierte ge-standen ist. So übersehen sicher Viele die Statue an der Wohnhausanlagein der Tautenhayngasse/ Ecke Minciostraße( Wien 15) oder nehmen siehöchstens als eine Heiligenfigur wahr, die mangels eindeutiger Attribu-te nicht näher zu definieren ist und keineswegs etwa als ein Beispielpolitisch- katholizistischer Manifestation.

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Diese in Steinguss gefertigte Statue- im» Dehio« als» Hl. Nikolaus<<angesprochen ist eine Darstellung des Hl. Engelbert, wie bei aller iko-nographischen Unbestimmtheit aus der ehemaligen Bezeichnung des 1936errichteten Gebäudekomplexes als» Familienasyl St. Engelbert«< deutlichwird. Und wenn der mit den für ihn üblichen bischöflichen Insigniendargestellte Heilige hier von einem schutzsuchenden Kind flankiert wird( Abb. 1), ist das zwar keines seiner gängigen Attribute³, entspricht jedochder ehemaligen Funktion seines Standorts: In den» Familienasylen« soll-ten im Rahmen ständestaatlicher Fürsorge desolate Familienverhältnissekonsolidiert und in der Pflegschaft der Stadt Wien stehende Kinder mitihren obdachlosen Eltern unter geordneten Wohnverhältnissen wiederzusammengeführt werden. Dass bei diesen in Zeiten der Dominanz

1 Robert Musil: Denkmale, in: Ders.: Nachlaß zu Lebzeiten. Reinbek bei Hamburg1978, S. 62-66[ 1936].

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Wolfgang Czerny u. a.( Bearb.): Wien X.- XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk(= Dehio-Handbuch- Die Kunstdenkmäler Österreichs). Wien 1996, S. 370.

Neben dem obligaten Krummstab ist das Attribut des Engelbert( Tag: 7. November)gewöhnlich recht unspezifisch ein Buch, s. u. a. Wolfgang Braunfels( Hg.): Lexikonder christlichen Ikonographie. 6. Bd., Rom, Freiburg, Basel u.a. 1974, Sp. 149; OttoWimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen. Bearb. u. erg. vonJosef Gelmi. Innsbruck, Wien 1988, S. 249f.