Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde112 (2009) / N.S. 63Hurch, Bernhard: Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch

  
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Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch : der Beitrag eines Ethnologen zur Baskologie
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ÖZV LXIII/ 112, 2009, Heft 1

Auch für die ethnologischen Ziele der Reise, das Anlegen einerSammlung für das Wiener Volkskundemuseum, nahmen Julio de Urqui-jo und die von ihm eröffneten Kontakte eine Schlüsselrolle ein. Dieserveröffentlichte in der» Gaceta del Norte« schon kurz nach TrebitschsAnkunft im Baskenland einen kurzen Artikel, der einer breiten Öffent-lichkeit die Sammlertätigkeit von Trebitsch als Ethnologen erklärt unddamit seine Arbeit in den Dörfern erleichtern solltes. Insbesondere klärter die Leute darüber auf, dass Trebitsch keine künstlerischen oder kunst-handwerklichen Gegenstände sucht, sondern vielmehr Objekte des all-täglichen Gebrauchs. Urquijo war auch nach Trebitschs Abreise weiterdamit beschäftigt, ethnologisch interessante Gegenstände zu beschaffenund er übernahm es, diesem die im Baskenland angekauften Stücke nachWien zu senden.59 Davon zeugt ausführlich auch der Briefwechsel: Dieganze Zeit über schreibt Trebitsch an Urquijo seine Wünsche und mankann aus deren Erfüllung bzw. Nichterfüllung, aufgrund der Insistenzvon Trebitsch und aufgrund des manchmal nahezu fordernden, ja gele-gentlich ungeduldig klingenden Tones von Trebitsch schließen, dass Ur-quijo zunehmend unwilliger wurde, Trebitschs Wünsche zu erfüllen.60Der Kontakt zwischen den beiden bricht ungefähr zu dem Zeitpunkt ab,

zu den Menschen des Landes eine intensivere, zu seinen Gesprächspartnern und zuden ethnographisch interessanten Gegenständen und Beobachtungen( man vergleichedie Behandlung des Ackerinstrumentes» laya<< bei beiden Autoren). Im Gegensatzzu Humboldt hat man bei Trebitsch den Eindruck, er würde seine Ethnologie durchteilnehmende Beobachtung wachsen und entstehen lassen, wohingegen Humboldtnicht nur eine eigene Theorie der Anthropologie entwickelt hatte, sondern das Landbereits mit enormem Vorwissen betreten hat. Trebitsch muss man demnach ankrei-den, dass er sich mit der vorhandenen baskologischen Literatur des 19. Jahrhundertsnicht beschäftigt hat.

58 Urquijo( wie Anm. 37).

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Urquijo( wie Anm. 32). Es ist davon auszugehen, dass auch Georges Lacombe, eben-falls von Schuchardt im Vorfeld kontaktiert, im Rahmen seiner Möglichkeiten Tre-bitsch hilfreich war, so jedenfalls geht es auch aus einem Brief von HS and JdU vom3. August 1913 hervor. Doch ist der Briefwechsel Schuchardt- Lacombe erst in Aus-arbeitung.

Es ist ein Detail am Rande, dass Trebitsch Urquijo in einem Brief vom Oktober1913 eine Ehrung durch das Wiener Ministerium in Aussicht stellt. Es dürfte diesetwa mit der Verleihung der Franz- Josephs- Medaille an Trebitsch zusammenfallen.Jedenfalls scheint er Urquijo hier über dessen persönliche Eitelkeit motivieren zuwollen. Ob Trebitsch diesen Punkt gezielt erfand, oder ob tatsächlich ein derartigesAnsinnen im Raume stand, wissen wir nicht. Es kam jedenfalls nie zu einer solchenVerleihung.