20
ÖZV LXIII/ 112, 2009, Heft 1
Trebitsch fällt das Bekanntwerden der historisch und anthropologischorientierten baskischen Reisebeschreibungen, der» Vasken«< und des>> Ta-gebuchs der baskischen Reise«<, von denen auch Urquijo Kenntnis hat-te. Jedenfalls korrespondiert er darüber in diesen gleichen Tagen mitSchuchardt. Trebitsch scheint aber auch den» Plan einer vergleichendenAnthropologie<< von Humboldt nicht gekannt zu haben, denn darin istein Forschungsdesign formuliert, das verschiedentlich in seine Arbeiteingehen hätte können. Die einzige mit Sicherheit auszumachende Quel-le für ihn war der durchaus nennenswerte Aufsatz von Stoll53. Letzterernimmt zwar auf sprachwissenschaftliche Beschreibungen des BaskischenBezug, so auf Friedrich Müller oder Willem Jan van Eys, doch scheintauch in dieser Beschäftigung das Interesse Trebitschs an einschlägigenFragen so gering gewesen zu sein, dass er die von Stoll genannten sprach-wissenschaftlichen Quellentexte wohl ebenfalls nicht konsultiert hat.
Im Zuge der Veröffentlichung historisch wichtiger Bestände desPhonogrammarchivs( Tondokumente aus dem Phonogrammarchiv derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften, Gesamtausgabe derHistorischen Bestände 1899-1950, hg. von Dietrich Schüller) erschienenals Nr. 5/3 die» Basque Recordings 1913« als Teil der» Collections of Ru-dolf Trebitsch<<( hg. von Gerda Lechleitner) in einer digitalisierten CD-Version; die Textabschrift wurde von Maria Jose Kerejeta anhand derAufnahmen selbst überarbeitet.54
Interessanterweise waren die Aufnahmen von Trebitsch noch nieGegenstand einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung im engeren
50
51
Wilhelm v. Humboldt: Berichtigungen und Zusätze zum ersten Abschnitte des zwei-ten Bandes des Mithridates über die Cantabrische oder Baskische Sprache, in: JohannChristoph Adelung, Johann Severin Vater( Hg.): Mithridates oder die allgemeine Spra-chenkunde mit dem Vater Unser als Sprachprobe in bey nahe fünfhundert Sprachenund Mundarten. Berlin 1817, Bd. 4, S. 275-360 sowie ders., Prüfung der Untersuchun-gen über die Urbewohner Hispaniens vermittelst der Vaskischen Sprache. Berlin 1821.Eine Kurzversion davon war ja sowohl aus Humboldts» Gesammelten Werken<<, Bd.3, 1843, da unter dem Titel» Reiseskizzen aus Biscaya«, wie aus den>> Gesammel-ten Schriften<<, Bd. 3, 1904, unter dem korrekten Titel» Cantabrica«< bekannt. AlbertLeitzmann, der Herausgeber der Schriften Humboldts, berichtet über den sensati-onellen Fund der baskischen Tagebücher in der Zeitschrift» Euphorion<< im Jahre1912; Schuchardt und Urquijo, wie wahrscheinlich die meisten Baskologen, warendavon unterrichtet. Trebitsch scheint davon nicht Kenntnis genommen zu haben.52 Hurch, Kerejeta( wie Anm. 17).
53
54
Otto Stoll: Zur Kenntnis der heutigen Basken, in: Das Ausland. Wochenschrift fürErd- und Völkerkunde, 63, 1890.
Damit hat Kerejeta, im Gegensatz zu Etxebarría( wie Anm. 2), der sich auf die Tran-skriptionen in den Aufnahmebögen verlassen hatte, einige Fehler korrigiert.