Bernhard Hurch, Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch
einer gesamteuropäischen Perspektive zu sehen, Verbindungen zur Ro-mania herzustellen oder Interpretationen vorzunehmen. In linguistischerHinsicht versagt sich Trebitsch jegliche Äußerung, spezieller wie typolo-gischer, arealer wie deskriptiver Natur. Trebitsch besaß keinerlei sprach-wissenschaftliche Aus- oder Vorbildung, was sich in der Oberflächlichkeitder Darstellung schmerzlich bemerkbar macht. Die wenigen allgemeinenBezüge zur Sprache, wie über die Herleitung der Basken von den Iberernzu Beginn der»> Beiträge« sind falsch. Im Vortragsmanuskript» Ethnogra-phisches aus dem Baskenlande«< 45 scheint beim Autor über die verwandt-schaftlichen Zusammenhänge generell Verwirrung zu herrschen, er hatwohl die einschlägige Literatur nicht verstanden, bzw. vielleicht nicht ge-lesen.46 In einer einzigen Publikation von Trebitsch taucht das ProblemSprache im Titel auf, nämlich in einer der Absicht nach- verdienstvol-len Auseinandersetzung mit einer Ideologie à la Houston Stewart Cham-berlain 47. Er zeigt hier, dass er sich mit damals gängigen Diskussionen,wie über Biologie und Vererbungstheorien( Paul Kammerer), beschäftigthat, doch bleibt( etwa im Gegensatz zu Spitzers» Anti- Chamberlain<< 48)die linguistische Frage auch hier sehr marginal.4
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Mit Sicherheit hat sich Trebitsch auch nicht mit den Schriften Wil-helm von Humboldts zum Baskischen beschäftigt. Im Grunde warenHumboldts einschlägige Schriften während des ganzen 19. Jahrhundertsdie wesentliche Grundlage, auf der die mitteleuropäische, und nichtnur die deutschsprachige Baskologie fußte. Allen voran ist Humboldts»>> Mithridates<<- Beitrag zu nennen, aber ebenso die» Urbewohner«< 50, aberauch andere veröffentlichte Schriften. Gerade in die Zeit der Reise von
45 Rudolf Trebitsch: Ethnographisches aus dem Baskenlande( Vortrag). Museum fürVolkskunde, Wien s.d., Typoskript, 17 S.
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Der Umstand, dass Trebitsch behauptet,» die Sprache wird heutigentags zu den ha-mitischen Sprachen gerechnet«<( Trebitsch[ wie Anm. 45], S. 2), kann nur auf mangel-hafter Lektüre von Schuchardt( Hugo Schuchardt: Baskisch- hamitische Wortverglei-chungen, in: RIEV, 7, 1913, S. 289–340.) beruhen.
Rudolf Trebitsch: Rasse, Kultur und Sprache, in: Die Umschau. Wochenschrift überdie Fortschritte in Wissenschaft und Technik, 21, 37, S. 1-5.
Leo Spitzer: Anti- Chamberlain. Betrachtungen eines Linguisten über HoustonStewart Chamberlains» Kriegsaufsätze« und die Sprachbewertung im allgemeinen.Leipzig 1918.
Es fällt überhaupt auf, dass die wenigen kurzen Aufsätze von Trebitsch mehrheitlichin Zeitschriften mit stark volksbildnerischem Hintergrund erscheinen. Damit sollderen Bedeutung nicht a priori abqualifiziert werden, doch weichen sie von damalsgängigen wissenschaftlichen Standards durchaus ab, indem sie jeweils einige eigeneGedanken mit dem Referat fremder Publikationen verbinden, nicht aber Regeln ei-nes damals durchaus schon standardisierten wissenschaftlichen Diskurses folgen.
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