Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde112 (2009) / N.S. 63Hurch, Bernhard: Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch

  
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Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch : der Beitrag eines Ethnologen zur Baskologie
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ÖZV LXIII/ 112, 2009, Heft 1

Urquijo ist sich des enormen Potentials, das zukünftig in der pho-nographischen Methode liegen würde, bewusst und formuliert in einemBericht über Trebitschs Reise in der von ihm herausgegebenen Zeit-schrift»> Revista Internacional de Estudios Vascos«< im gleichen Jahr³2 einefundierte, methodisch orientierte Kritik an den Sprachaufnahmen bzw.der Aufnahmetechnik. Insbesondere bemängelt er die einschüchterndeKünstlichkeit der Situation, den daraus resultierenden Mangel an Spon-taneität, die artifizielle Spracheinstellung, die eingeschränkte dialektaleZuverlässigkeit, die unterschiedliche und nicht nachgeprüfte Vorberei-tung der Informanten, die gefällige Textauswahl.33 Diese Gesichtspunkteerschweren sichtlich eine vergleichende Analyse, wodurch nach MeinungUrquijos gerade das Ziel, authentische Dialektaufnahmen herzustellen,nur teilweise erreicht werden konnte. Urquijos ausführliche methodolo-gische Kritik trifft damit einige elementare Punkte, die bis heute zentra-ler Bestandteil von Feldforschungshandbüchern sind. Die vom WienerPhonogrammarchiv gewünschten Invarianzen wurden in den Aufnah-men nicht eingehalten( auch nicht bezüglich des vergleichbar konstantendialektalen Hintergrunds der aufgenommenen Personen).

Auch in der Textwiedergabe macht Trebitsch sich in seiner Veröf-fentlichung zu keinem Zeitpunkt einen analytischen Standpunkt zu ei-gen, sondern verharrt in der bloßen Nacherzählung. Der Versuch, typo-logische oder vergleichende Gedanken in eine Betrachtung zur Mytholo-gie, Volksmärchen- oder Motivforschung einzubringen, unterbleibt voll-kommen. Eine sehr höflich formulierte Kritik, die in dieselbe Richtungzielt, drückt eine mit GdM(= Gregorio de Múgica) 34 gezeichnete kurzeBesprechung von Trebitsch aus, wo es heißt:» El doctor Trebitsch[...]no habla del resultado de sus investigaciones, ni hace comentarios cientí-ficos ni lingüísticos.« Auch Urquijo³ verhehlt eine gewisse Enttäuschungnicht, doch eröffnet sich seiner Meinung nach eine Möglichkeit, die>> de-ficiencias<< zu kompensieren:» Todas estas deficiencias y otras que pudie-

32 Julio de Urquijo: De língüística y etnografía vascas. A propósito del viaje del Dr.Rodolfo Trebitsch, in: RIEV, 7, 1913, S. 575-583.

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Entgegen der früheren Absicht, wie brieflich gegenüber Schuchardt geäußert, struk-turierte Aufnahmen zu machen, ließ Trebitsch seine Probanden frei erzählen. Einigekamen schon mit schriftlich vorbereiteten Texten zur Aufnahme und lasen diese le-diglich vor( Urquijo[ wie Anm. 32]).

34 Gregorio de Múgica, Anzeige von: Trebitsch( wie Anm. 10), in: Euskalerriaren Alde4, S. 552.

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Trebitsch( wie Anm. 10).

36 Urquijo( wie Anm. 32), S. 579.