Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde112 (2009) / N.S. 63Hurch, Bernhard: Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch

  
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Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch : der Beitrag eines Ethnologen zur Baskologie
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Bernhard Hurch, Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch

Dialekte und nach Dolmetschen und nach Aufnahmetexten. Die Aus-wahl der Orte bzw. Dialekte, die phonographisch dokumentiert werdensollten, wurde aber von Telesforo de Aranzadi" vorgeschlagen." Als einerder ersten( und stolzen) Autobesitzer der iberischen Halbinsel chauffier-te Urquijo zeitweise Trebitsch auch selbst durchs Land( durch Teile desIparralde und durch Bizkaia), er besorgte ihm Informanten, vermittelteihm aber auch verschiedene Mitarbeiter, so Gabriel Roby23, einen Maler,der für Trebitsch unter anderem die Abfassung zahlreicher Aufnahme-blätter unternahm. Trebitsch selbst sprach kein Baskisch, wohl auch desSpanischen war er nur sehr eingeschränkt mächtig, und es ist nicht klar,wie weit er sich strukturell mit der baskischen Sprache überhaupt be-schäftigt hat. Es gibt keine einzige Äußerung von ihm und kein Indiz, dieauf Kenntnisse des Baskischen oder der strukturellen bzw. typologischenBesonderheiten dieser Sprache schließen lassen würden.

Die positive Bedeutung der Aufnahmen Trebitschs für die Baskolo-gie ist trotzdem nicht unerheblich:

In sehr systematischer Weise besucht er alle Dialektgegenden undmacht Aufnahmen. Lediglich der alavesische Dialekt, von dem Tre-bitsch noch Sprecher hätte finden können, blieb unbeachtet.

21 Telesforo de Aranzadi y Unamuno, 1860-1945, baskischer Naturwissenschaftler undGeograph( als Mineraloge und Zoologe Professur in Granada) und Anthropologe( alssolcher Professor in Barcelona), widmet sich baskischen Fragen in all seinen Inte-ressensbereichen( vgl. Telesforo de Aranzadi y Unamuno: Setas y hongos del PaísVasco. Madrid 1897; ders.: El pueblo euskalduna: estudio de antropología. San Sebas-tián 1889), zahlreiche Studien zu Ethnographie, Ur- und Frühgeschichte der Basken;Mitarbeiter aller großen baskischen Journale, Mitglied zahlreicher ausländischerAkademien. Aranzadi pflegte enge kulturelle Beziehungen zum deutschsprachigenRaum( vgl. auch den Briefwechsel mit Schuchardt) und betätigt sich als Übersetzerund Herausgeber einzelner Schriften Wilhelm von Humboldts. Briefwechsel mitHugo Schuchardt.

22 Vgl. unten, Brief Nr. 2 003C0201-006C0204, Trebitsch an Urquijo vom 12. Juni1913. Die in seinem Bericht( Trebitsch[ wie Anm. 10]) genannten Gewährsleute vorOrt haben die Aufnahmeroute noch variiert. In die Planung von Trebitsch flossenzahlreiche Detailkenntnisse ein, über die er selbst auch bei allergenauerster Lektüreder vorhandenen Schriften nicht Bescheid wissen hätte können. Als Beispiel seiendie ronkalesischen Aufnahmen genannt: Trebitsch hatte selbst mit Sicherheit kei-ne Idee davon, dass der Ort Isaba für Aufnahmen sinnlos war, man sich zu diesemZweck aber besser nach Ustarroz begab. Ob derartige Einzelheiten auf das Wissenvon Aranzadi oder von Urquijo zurückgehen, können wir heute nicht mehr feststel-len, mit Sicherheit aber stammen sie nicht von Trebitsch selbst. Die Korrespondenzzwischen Aranzadi und Schuchardt gibt darüber allerdings keinen Aufschluss.Gabriel Roby, 1878-1917, labortanischer Künstler, später Direktor der Akademie derSchönen Künste in Dijon, Mitglied des Cercle d'Études Euskariennes von Bayonne.

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