Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde112 (2009) / N.S. 63Hurch, Bernhard: Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch

  
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Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch : der Beitrag eines Ethnologen zur Baskologie
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ÖZV LXIII/ 112, 2009, Heft 1

zen der Baskologie und Ideator zahlreicher Initiativen. Die Beziehungvon Trebitsch zu Urquijo wurde von Hugo Schuchardt ermöglicht: Ur-quijo war ein glühender Verehrer Schuchardts und keine Empfehlungdes Grazer Meisters an die Adresse Urquijos blieb ungehört.18

Der damalige Stand der baskischen Dialektologie bewegte sich imGroßen und Ganzen auf der Grundlage des von L. L. Bonaparte¹9 erarbei-teten Wissens.20 Schon in einem frühen Brief( Nr. 3, vom 31. Mai 1913)erkundigt Trebitsch sich bei Schuchardt nach den Aufnahmeorten für die

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11-12 und Bernhard Hurch, Maria Jose Kerejeta( Hg.): Hugo Schuchardt- Julio deUrquijo. Correspondencia( 1906-1927). Bilbao: EHU- UPV(= Anejos del Anuariode Filología Vasca» Julio de Urquijo«<- International Journal of Basque Linguisticsand Philology, vol. 41), 1997. Dort wird auch der über 500 Stück umfassende Brief-wechsel mit Schuchardt veröffentlicht.

Diese intensive Beziehung, die sich epistolarisch über mehr als zwei Jahrzehnte er-streckt und aus mehr als 500 Korrespondenzstücken besteht, umfasst nahezu alledamals relevanten Themen der Baskologie( Hurch, Kerejeta[ wie Anm. 17]). Die Epi-sode Trebitsch spielt darin zwar keine zentrale Rolle, aber man erhält einen gutenEinblick von außen, und in mehr als 30 Stücken ist jeweils zumindest kurz von Tre-bitsch, seiner Reise, von den Nachwehen, von seinem Tod bzw. den offenen Fragendanach die Rede.

Luis Lucien Bonaparte, 1813-1891, Neffe Napoleons aus der italienischen Linie vondessen Bruder Louis. Nach einer eigenen politischen Karriere als Abgeordneter Kor-sikas widmete L. L. Bonaparte sich fast ausschließlich linguistischen Studien, von de-nen die baskologischen nicht nur den größten Umfang, sondern vor allem die größteNachhaltigkeit erreicht haben. Seine Dialektstudien führten, trotz bemerkenswertermethodischer Mängel, zu einer Dialektklassifikation, die bis heute im wesentlichenals Grundlage für moderne Studien gilt. Seine baskologischen Werke liegen in ei-ner Gesamtausgabe vor. Bonaparte war gut in die internationale wissenschaftlicheGemeinschaft eingebunden. Er lebte die letzten Jahrzehnte in England. Vgl. seinenBriefwechsel mit Schuchardt, der schon 1909 in der» Revista de Estudios Vascos«<, Jg.3, S. 132-139, veröffentlicht wurde.

Bezeichnend für verschiedene Aspekte der Geschichte sind die Wirrnisse um eineOriginalkopie der Dialektkarte von Bonaparte( Luis- Lucien Bonaparte: Carte desSept Provinces Basque montrant la délimitation actuelle de L'Euscara et sa divisionen dialectes, sous- dialectes et varietés. London 1863). Offenbar hatte Urquijo Tre-bitsch diese Karte geliehen und versuchte, diese nach dem Tod Trebitschs durch dieVermittlung Schuchardts zurückzubekommen. Es scheint aber, dass Trebitsch dieseKarte selbst mit Ortseintragungen versehen hat( vgl. Brief von Michael Haberlandt anSchuchardt vom 10. November 1920, Brief Nr. 4304) und das Museum bzw. Haber-landt diese Karte gerne selbst behalten hätten. Dort findet sich allerding heute keineSpur davon; ob sie letztlich den Weg zurück zu Urquijo gefunden hat, ist nicht mehrmit Sicherheit zu eruieren. Bezeichnend deshalb, weil es einerseits den Forschungs-stand zeigt, darüberhinaus die großzügige Hilfsbereitschaft Urquijos, schließlich aberauch bestimmte Umgangsformen von Trebitsch, der Urquijo diese geliehene Karteeben sieben Jahre lang nicht rückstellt.