Bernhard Hurch, Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch
Aus Gründen der fachlichen Zuständigkeit sollen hier nur die phi-lologisch ausgerichteten Sammlungen Trebitschs behandelt werden. Erselbst besaß mit Sicherheit keine nennenswerte sprachwissenschaftlicheoder sonst philologische Ausbildung, allerdings wusste er die sich rasantentwickelnden Methoden der Feldforschung zu nutzen und setzte da-mals die vom Phonogrammarchiv verwendeten modernsten Geräte zurAufnahme von Sprache ein. Das war zweifelsohne für alle Völker, dieer besucht hat, ein Novum, so auch für die Basken und das Baskische,insbesondere auch wegen der Systematik, mit der sämtliche Dialekte re-präsentiert sein sollten.15
Trebitsch bereist das Baskenland vom 18. Juli bis 8. September 1913.Auf dieser Reise führte er ein Tagebuch, das in handschriftlicher Formbei seinen Unterlagen im Wiener Volkskundemuseum liegt.16 Dreh- undAngelpunkt für seine Feldarbeit war Julio de Urquijo³, seinerseits Mä-
14 Vgl. Christian Liebl: The collections of Rudolf Trebitsch( 1906-1913)- Recordingsfrom Greenland, Celtic and Basque Recordings. Vortrag gehalten bei« Regional Cul-ture as Reflected by Museum Collections«<, Österreichisches Museum für Volkskun-de, Wien, 18. April 2008.
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Zum Baskischen gab es zwar bereits eine ältere Aufnahme, doch besaß diese eherdemonstrativen Charakter und entstand im Rahmen der Pariser Weltausstellung imJahre 1900.
16 Rudolf Trebitsch: Meine Basken- Reise. Tagebuch Sommer 1913. Museum für Volks-kunde, Wien, Ms, 69 S. M. Beitl hat davon eine Abschrift angefertigt.
17 Julio de Urquijo e Ybarra, 1871-1950, stammte aus einem ultrakonservativen undsehr wohlhabenden baskisch-( spanischen) Geschlecht, mit alter politischer Traditi-on; war in jungen Jahren auf seiten der Karlisten aktiv, selbst Kammerherr des letz-ten Don Carlos. Zog sich früh aus der Politik ins Privatleben zurück und widmetesich fernerhin nahezu ausschließlich baskologischen Studien und Initiativen, die erauch maßgeblich finanziell unterstützte. Lebte bis Anfang der 20er Jahre vorwie-gend in Donibane Lohitzun- St. Jean de Luz, danach in Donostia- San Sebastián.Gründer des Cercle d'Études Euskariennes in Bayonne( 1911), Gründer und Her-ausgeber der>> Revista Internacional de Estudios Vascos- Revue International desÉtudes Basques<<( Bilbao- Paris), einer der Mitinitiatoren der Baskischen AkademieEuskaltzaindia wie auch der Eusko Ikaskuntza- Sociedad de Estudios Vascos. Diephilologisch- editorische Tätigkeit umfasst dankenswerterweise eine Reihe von Fak-simile- bzw. Neuausgaben alter und historisch relevanter Texte und die Aufarbei-tung von deren Entstehungs- und Wirkungszusammenhängen. In späteren Jahrenwar er wieder Mitglied verschiedener kleriko- konservativer Initiativen und in den30er Jahren Abgeordneter in den Cortes für die katholisch- fueristische Partei. Dieaußergewöhnliche Bibliophilie Urquijos führte zu einer der größten und wichtigstenBibliotheken und Manuskriptsammlungen des Landes, heute als Fondo Urkijo Teildes Koldo Mitxelena Kulturunea in Donostia- San Sebastián. Ausführlicher in: LuisMichelena: D. Julio de Urquijo y los estudios vascos, in: Homenaje a la memoriade D. Julio de Urquijo e Ibarra al cumplirse el centenario de su nacimiento, 1973, S.
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