Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde112 (2009) / N.S. 63Hurch, Bernhard: Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch : der Beitrag eines Ethnologen zur Baskologie
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ÖZV LXIII/ 112,2009, Heft 1

Interesse für Geisteswissenschaften, war aber offenbar auf familiärenWunsch bereit, ein» nützlicheres«< Studium, nämlich das der Medizin,zu absolvieren. Im Jahre 1900 wurde er zum Doktor der Medizin pro-moviert. Danach arbeitete er zeitweise als Arzt in kleineren Kliniken,insbesondere auf Dermatologie spezialisiert, widmete sich aber an derPhilosophischen Fakultät auch dem Studium der Volkskunde und führtein diesen Jahren auch einige noch zu nennende Forschungsreisen durch,über die er in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaftenveröffentlichte. Sein Interesse an der Verbindung dieser beiden Fächer,also der Ethnomedizin, manifestiert sich auch in einer Publikation über>> Geburtsflecke bei den Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos«. Sein Volkskundestudium schloss er1911 mit einer Dissertation über» Fellboote und Felle als Schiffsfahrzeu-ge<< bei Eugen Oberhummer an der Universität Wien( GeographischesInstitut) ab. Die Felder seiner Veröffentlichungstätigkeit umspannen indiesen und den folgenden Jahren die Bereiche Volksmedizin, Aberglau-ben, Völkerpsychologie und Schifffahrt. Mehr und mehr wendet er sichseinen weiteren Lehrern und Förderern Rudolf Pöch und Michael Ha-berlandt und dem Österreichischen Museum für Volkskunde zu. Er warseit der Gründung Mitglied des Wiener Volkskundevereins. Während inden früheren Jahren der Ansatz zu wissenschaftlicher Veröffentlichungs-tätigkeit zu erkennen ist, setzt sich nach und nach eine feuilletonistischeNote durch.

Der familiäre Wohlstand erlaubte es Trebitsch, verschiedene For-schungsreisen zu unternehmen, so 1904 nach Island, 1906 nach Grön-

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similierten jüdischen Bürgertums gelebt hat( vgl. z.B. die Beschlagnahmungslistendurch die Nationalsozialisten von den Beständen seines Bruders Siegfried). Auchdeutet die Vehemenz der Ablehnung des Judentums durch seinen Bruder Arthur,die in verschiedenen Publikationen in einschlägigen Verlagen Wiens und Berlins alleSpielarten bis hin zu Judenhass und Antisemitismus durchläuft, auf eine wie immergeartete jüdische Präsenz in der Familie hin. Von einer intellektuellen Auseinander-setzung mit dieser Tradition ist bei Rudolf Trebitsch aber nichts bekannt und nichtszu merken. Die Deutschlastigkeit des Faches, in das sich Trebitsch begibt, scheint ihnnicht weiter beeindruckt zu haben. Sein eigener Zugang war ein anderer.Rudolf Trebitsch: Die»> blauen Geburtsflecke«< bei den Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag  Eskimos in Westgrönland, in:Archiv für Anthropologie, VI/ 4, 1907.

Die Rigorosen dürften aber, entsprechend den Unterlagen des Universitätsarchivs,problematischer gewesen sein, denn der Zweitgutachter der Dissertation, MoritzHoernes, beurteilt die mündliche Prüfung mit» nichtgenügend« und nur die beidengenügend der anderen Prüfer erlaubten einen positiven Ausgang» per vota maiora«<.Nikitsch äußert aber auch zur Dissertation einige Zweifel( Nikitsch: Some biogra-phical remarks[ wie Anm. 3]).