Bernhard Hurch, Zum Verständnis und Unverständnis von Rudolf Trebitsch
der Basken, dem eine Tatsache wichtiger war als deren Bedeutung. Denspäteren Editionen fehlt jegliche kritische Note.
Es gibt neben den linguistisch- phonographischen und volkskundli-chen Gesichtspunkten allerdings noch eine Reihe verschiedener andererAnhaltspunkte, Trebitsch selbst zum Gegenstand der Forschung zu ma-chen, ihn als Ausdruck einer gewissen Epoche, einer großbürgerlichenGeisteshaltung zu sehen, die ihre eigene jüdische Identität negiert, undschließlich ist auch seiner vulgärwissenschaftlichen Methode das abzu-gewinnen, was in ihr steckt. Herauszufinden bleibt, ob seine volkskund-liche, sprachdokumentatorische, publizistische und mäzenatische Tätig-keit wirklich nicht mehr war, als ein schöngeistiger Weg des Zeitvertreibsund eine Möglichkeit, sich unsterblich zu machen.
2. Zu Trebitsch- Curriculum Vitae et Studiorum
Rudolf Trebitsch entstammte der Familie eines wohlhabenden, ausMähren stammenden Wiener Textilfabrikanten.³ Geboren am 28. Jänner1876 in Wien, besuchte er hier auch die Volksschule und das Gymnasiumund legte 1894 die Matura ab. Den jüdischen Hintergrund seiner Fami-lie erwähnt Trebitsch nie. An einer einzigen Stelle des Tagebuchs derBaskenreise bezeichnet er sich selbst als protestantisch.4 Er zeigte früh
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2 José M. Etxebarría: Las grabaciones en euskera de la fonoteca de Viena. II. Graba-ciones en dialecto labortano, Anuario de Eusko Folklore, 36, 1990, S. 59-64; ders.:1913- ko Vienako euskal grabaketak, III. Erronkariera, in: IKER, 6, 1992, S. 161–176.Die biographischen Quellen zu Trebitsch sind nicht sehr zahlreich. Ich stütze michinsbesondere auf die allerdings nicht sehr verlässliche Autobiographie des StiefbrudersSiegfried Trebitsch: Chronik des Lebens, Zürich 1951, auf den Personalakt RudolfTrebitsch aus dem Wiener Universitätsarchiv, dem ein handschriftlicher Lebenslaufaus dem Jahre 1911 beiliegt, und auf die Arbeiten von Nikitsch( Herbert Nikitsch:Moser, Schmidl, Trebitsch& Co, in: Österreichische Zeitschrift für VolkskundeLIX/ 108, 2005, S. 275-294; ders.: Some biographical remarks on Rudolf Trebitsch.Vortrag gehalten bei» Regional Culture as Reflected by Museum Collections«<, Ös-terreichisches Museum für Volkskunde, Wien, 18. April 2008). Letzterer hat mirfreundlicherweise von ihm erhobenes Material zur Verfügung gestellt.
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Laut Austrittsbuch der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien hat Trebitsch unterder Registerzahl 440/1910 am 26. Oktober 1910 ohne nähere Angaben die Kul-tusgemeinde verlassen und wurde am folgenden Tag, dem 27. Oktober 1910, nachAugsburger Bekenntnis protestantisch getauft( vgl. auch Anna Staudacher: Jüdisch-protestantische Konvertiten in Wien 1782-1914. Frankfurt 2004, Bd. 2, S. 740).Trebitschs Beziehung zum Judentum war wohl eher Frucht der Verdrängung, dennes gibt nicht wenige Anzeichen, dass die Familie in der Tradition eines Wiener as-