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Literatur der Volkskunde
ÖZV LXII/ 111
BRÜCKNER, Wolfgang: Lutherische Bekenntnisgemälde des 16. bis18. Jahrhunderts. Die illustrierte Confessio Augustana(= Adiaphora.Schriften zur Kunst und Kultur im Protestantismus, Bd. 6), Regensburg:Schnell& Steiner, 2007, 292 Seiten, 180 Abb.
Protestanten seien bilderfeindlich, und das mache einen Unterschied zumBilderkatholizismus aus, so lautet die allzu plausible Faustformel, zu derenVerbreitung Protestanten selber nicht am wenigsten beigetragen haben.Bilderstürmer seien sie gewesen, bleibt als Urteil aus jener Zeit, in der dieBekenntnisgemälde ihren Platz haben. Schon Martin Scharfes Dissertationüber evangelischen Andachtsbilder hatte Gläubige und Ungläubige über dieBrüchigkeit dieses Bildertopos wenn nicht eines Besseren belehrt, so dochwenigstens aufmerken lassen.
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Bilder sind immer Zeichen. Sie sind im öffentlichen Raum aus- undaufgestellt- Zeichen, die auf Besonderheiten hinweisen und diese manifestmachen sollen. Auf die Unterschiede kommt es an, und die lassen sich auchauf Bildern darstellen. Wolfgang Brückner hat„, Bekenntnisgemälde“ des16. bis 18. Jahrhunderts zusammengestellt und interpretiert. Es handelt sichum 40 Bilder, die hier zu einer Gattung zusammengefasst sind. Unter demBegriff ,, Konfessionsbilder“ lassen sie sich einer Epoche zuordnen, die als,, Konfessionalismus“ im Kontext einer expressiven Phase konfessionellerAusdrucksformen in den deutschen Territorialherrschaften des cuius regioeius religio stehen. Zeitlich gehen die Bilder über die scharfen Grenzenhinaus, wie sie Historiker( etwa Maximilian Lanzinner) mit 1555-1618 fürdas ,, konfessionelle Zeitalter“ ansetzen.
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Damit ist eine neue Bildpraxis geboren, in ihr wird das Bild mit Textenangereichert, wie es in Österreich und Mähren an den so genannten Sgrafit-tohäusern in Horn, Retz, Slavonice und anderswo abzulesen ist. Es sind indidaktischer und bekennnerhafter Absicht mit Informationen angefüllteDarstellungen. Diese Bezüge werden derzeit aus gegebenem Anlass derLuther- Jubiläen- auch in Österreich, hier in Horn, der gewesenen„, Hochburgdes Protestantismus“( Reingrabner) thematisiert: Als ,, Überreichung der Augs-burgischen Confession 1530. Bild aus dem 17. Jahrhundert“ ist das linkeGemälde des Eisenacher Diptychons von 1618( Tafel 25 bei Brückner) etwa imeben erschienen Katalog ,, Adelige Macht und Religionsfreiheit“ abgebildet.¹
Mit der Confessio Augustana auf der einen und dem TridentinischenKonzil( 1545-1563) auf der anderen Seite sind die Ausdrucksmittel alsMarksteine eines Gegensatzes skizziert, der eine neue, auf plakative Unter-
1 Adelige Macht und Religionsfreiheit. 1608- Der Horner Bund. Museen der StadtHorn 2008/2009, S. 102.