Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
475
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2008, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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HÄGELE, Ulrich: Foto- Ethnographie. Die visuelle Methode in der volks-kundlichen Kulturwissenschaft. Mit einer Bibliographie zur visuellenEthnographie 1839-2007. Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde,2007, 420 Seiten, 352 meist s/ w Abb.

420 Seiten, etwa 2 kg schwer, 49 Seiten Bibliographie: So tritt dem Rezen-senten Ulrich Hägeles Werk zur, Foto- Ethnographie entgegen; herausge-geben von der Tübinger Vereinigung für Volkskunde als eine Publikation,die aus dem Fach der Volkskunde kommt, aber auf ein breiteres Rezipien-tenfeld abzielt. Dass dieses Werk dort angekommen ist, zeigen bishererschienene Rezensionen und der erst kürzlich verliehene, Fotobuchpreis2009 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Im ersten Moment stellt sich Ehrfurcht vor dem weiten Lauf ein, der indiesem Buch präsentiert wird. Seit Jahren ist Hägele einer der maßgeblichenvolkskundlichen Forscher, die sich mit Fotografien beschäftigen, und dereinzige der sich in dieser Breite und Dichte dem Phänomen Fotografie widmet.In einem schieren Marathon arbeitet er sich durch mehr als hundert JahreFotografie und Volkskunde bzw. Kulturwissenschaft sowie deren Kontexte.

In einem weit angelegten historischen Rückblick zeigt er in den ver-schiedensten Feldern die historische Entwicklung dessen auf, was er als,, Foto- Ethnographie bezeichnet. Dabei unterteilt er in der wissenschafts-geschichtlichen Rezeption der volkskundlichen Fotografie diese in dreiAbschnitte, die er mit, Sinnstiftung, Ideologisierung und, Professio-nalisierung überschreibt, die wie sich zeigt, zahlreiche Überschneidungs-felder aufweisen.

Der Abschnitt der Sinnstiftung ,, wurde geprägt von weitgehend unsyste-matischem Fotografieren, Sammeln und dem Aspekt des visuellen Bewah-rens der Volkskultur( S. 19), einhergehend mit der Popularisierung volks-kundlicher Themen und mit Tendenzen zur Identifikation innerhalb natio-naler Abgrenzungsstrategien und regionaler Sinnstiftungen. Das gezeigteund untersuchte Bildmaterial stammt hauptsächlich aus den Konvoluteneiner beginnenden volkskundlichen Fotografie, das bis in die 1930er Jahrehineinreicht. Hägele agiert interdisziplinär und nimmt auch Kunstfotografieund Heimatschutz, die Museen und Archive in seine Untersuchung. AbyWarburg und sein Mnemosyne- Atlas stellen für ihn neben anderen einenwesentlichen methodischen Bezugspunkt dar, ebenso blickt er auf dasRichtungsweisende der anthropologischen Fotografie zum Beispiel einesBronisław Malinowskis, aber auch die Kamera- Folklore vor allem währenddes Ersten Weltkrieges wird bearbeitet. Allein dieses Kapitel zeigt bereitsdie unglaubliche Breite und Komplexität seines Ansatzes. Gegliedert istjeder Abschnitt in kompakte thematische Kapitel, die sich glücklicherweise