2008, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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Nachruf für PhDr. Josef Vařeka, DrSc.
Im Sommer dieses Jahres hat uns die traurige Nachricht erreicht, dass PhDr.Josef Vařeka, DrSc., eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der tschechi-schen Volkskunde und der vergleichenden mitteleuropäischen Hausfor-schung, am 14. Juni nach langer, schwerer Krankheit in Prag verstorben ist.Es war eine trotz seines hohen Alters überraschende Nachricht, denn ergehörte zu jenen so zielstrebigen und unermüdlichen Menschen, von denenman glaubt, sie würden ewig leben. Bereits zu Lebzeiten war er für viele zueiner ,, Legende des Faches" geworden.¹
Josef Vařeka wurde am 5. Juli 1927 in Valašské Meziříčí( Mähren) geboren.Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann er sein Studium an derPhilosophischen Fakultät der Karls- Universität in Prag( 1946)- er inskri-bierte tschechische und englische Sprache sowie Philosophie. Ab demWintersemerster 1947/1948 besuchte er Vorlesungen der Volkskunde. Zuseinen Lehrern gehörten die großen Persönlichkeiten der tschechischenVolkskunde ihrer Zeit, wie z.B. Karel Chotek und der von ihm sehr geschätz-te Privatdozent Vilém Pražák. Nach dem Studienabschluss im Jahr 1951wurde Josef Vařeka – der in dieser politisch schwierigen Zeit nicht Partei-mitglied war als Lehrer nach Nordböhmen beordert. Aber auch als Lehrerwar er wissenschaftlich tätig, führte diverse volkskundliche Forschungendurch und engagierte sich für die Denkmalpflege. Bereits im Jahr 1952stellte er seine Dissertation aus Ethnologie und slawischer Philologie zumThema ,, Alte und gegenwärtige landwirtschaftliche Techniken in den Kar-paten“ bei Karel Chotek fertig. Im Jahr 1963 kam er an das Institut fürEthnographie und Folkloristik der Tschechischen Akademie der Wissen-schaften, im Jahr darauf wurde er mit der Arbeit ,, Windmühlen in Mährenund Schlesien“ zum Kandidaten der Wissenschaften( CSc.). Josef Vařekaarbeitete zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, von 1974 bis 1992leitete er die Abteilung ,, Ethnographie der nationalen Wiedergeburt“. DieseAbteilung für historische Volkskunde setzte sich vor allem mit der städti-schen und ländlichen Volkskultur Ende des 18. und 19. Jahrhunderts inBöhmen, Mähren und Schlesien auseinander. Im Jahr 1989 erwarb er mitseiner Habilitation zum Thema ,, Bautraditionen und Wohnen der ländlichenBevölkerung seit dem Beginn der tschechischen nationalen Wiedergeburtbis zur Entstehung der sozialistischen Gesellschaft“ den Titel Doktor derhistorischen Wissenschaften( DrSc.). Zwischen 1995 und 1998 war Vařeka
1 Bahenská, M., J. Woitsch( Eds.): Josef Vařeka české etnologii( Výbor studiívydaných k 80. narozeninám). Praha 2007.