448
Chronik der Volkskunde
ÖZV LXII/ 111
41. Internationales Hafnerei- Symposium des Arbeitskreisesfür Keramikforschung in Dresden,
21.9.- 27.9.2008
Das diesjährige fünftägige Symposium wurde von Thomas Westphalen,Leiter des Landesamts für Archäologie in Sachsen, im Japanischen Palais,dem ältesten Museumsbau des Freistaates, eröffnet. In Sachsen hegt auchdie Geburtsstätte des europäischen Porzellans, das vor 300 Jahren vonJohann Friedrich Böttger erfunden wurde und untrennbar mit August demStarken, Regent und Sammler, verbunden ist. Hans- Georg Stephan erinnerteim Namen des Vorstands des Arbeitskreises daran, dass das diesjährigeSymposium erst das zweite im ehemaligen Osten sei und die Tagung 2009im nahe gelegenen Görlitz stattfinden werde. In einer Gedenkminute ge-dachte die Gruppe des Altbürgermeisters Rudolf Hammel, der das Sympo-sium 2007 in Obernzell ausgerichtet hatte und am 11. April 2008 verstorbenwar. Der Name des Symposiums wurde mittels Abstimmung geändert in,, Internationales Symposium Keramikforschung“.
Zwei volle Tage und ein halber waren Vorträgen gewidmet, derenSchwerpunkt auf der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in Sach-sen lag. Stefan Krabath vom Sächsischen Landesamt für Archäologie be-richtete in seinem Überblicksreferat von den Beständen in Sachsen, dieAufschluss über lokale und importierte Ware, über Irdenware und Steinzeugvom 12. bis in das 20. Jahrhundert geben. Die zunehmende Bautätigkeit aufden Altbrachen von Dresden werde derzeit von intensiven Grabungen be-gleitet, die Töpferöfen und Töpfereiabwurfgruben zutage bringen. Darübererzählte Christiane Hemker, Stadtarchäologin in Dresden. Jens Schenkerund Dirk Scheidemantel stellten Funde aus Dorfgrabungen in der Nieder-lausitz vor: in Klein Görigk wurde im 12. und 13. Jahrhundert ausschließlichIrdenware verwendet, Steinzeug war teuer und damit bestimmten gesell-schaftlichen Schichten vorbehalten. Im Angerdorf Horno verfügte jedesGehöft seit dem späten 15. Jahrhundert über einen einfachen Napfka-chelofen, der mit glasierten und verzierten Einzelkacheln dekoriert war.Gunter Oettel, Archäologe und Verlagsinhaber in Görlitz, berichtete, dassdie Töpferöfen von Leipzig und von Zittau außerhalb der Stadtmauernsituiert waren. Funde belegen, dass die Produktion von Steinzeuggefäßenim 14. Jahrhundert einsetzte. Typisch für die frühe Steinzeugproduktion isteine braunrote Bemalung, später erfolgte die Verzierung mittels Rollstem-pel. Laut Andreas Christl, Archäologe im Landkreis Meißen, sind dreiTöpfereistandorte für Meißen belegt, die ihre Lage durch die Jahrhundertenicht änderten. Jens Beutmann gab einen Überblick über die formale und