Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LXII/ 111, Wien 2008, 441-463
Chronik der Volkskunde
25 Jahre Kommission für Frauenforschung( heute: Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung)in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde
Ein Gespräch mit Carola Lipp( Göttingen)
Im September 1983 wurde auf dem Volkskunde- Kongress in Berlin dieKommission Frauenforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskun-de( dgv) gegründet. Mit 75 Mitgliedern bildete sie aus dem Stand die größteKommission der dgv. Die Arbeit konkretisierte sich nicht nur in der Tätigkeitder Kommission( Arbeitstagungen, Publikationen), sondern basierte auf undinspirierte Arbeitsgruppen an mehreren Instituten( u.a. in Basel, Freiburg,Marburg, Tübingen).
Die Kommission hat seit ihrer Gründung elf Tagungsbände publiziert; aufder Konferenz in Basel 2001 wurde sie in„ Kommission für Frauen- undGeschlechterforschung“ umbenannt. Heute sind es- gemessen am Mailver-teiler der Kommission 51 Interessierte( darunter zwei Männer); bei derletzten Arbeitstagung im Februar 2007 kamen( ohne Referentinnen undKommentatorinnen) rund 70 TeilnehmerInnen nach Wien.
Wir nehmen das 25- jährige Jubiläum der Kommissionsgründung zumAnlass für ein Gespräch mit Carola Lipp, die die Arbeit und Initiative derKommission von Beginn an aus eigener Beteiligung kennt.
Motivation für dieses Gespräch ist weniger ein inhaltliches Anliegen inBezug auf Positionen der Frauen- und Geschlechterforschung- und zwarauch darum, weil die Lektüre der Texte aus dem Gründungskontext frappie-rend aktuelle Fragestellungen und analytische Perspektiven ergibt, genanntseien nur: die Problematisierung der Frauenforschung als Forschung vonund über Frauen( Lipp 1984, 8f.), die frühe Erweiterung auf die KategorieGeschlecht( König 1984, 20), die Aufmerksamkeit für die Schnittstellen derKategorie Geschlecht mit anderen Strukturierungen( etwa soziale Lage)( Kienitz/ Rumpel- Nienstedt 1984, 33). Uns interessiert hingegen mehr zumeinen eine Rückschau auf die Kontexte und Perspektiven, die zur Etablie-rung der Fachkommission geführt hatten. Zum anderen geht es uns um einAusloten des Status quo der Frauen- und Geschlechterforschung in der Euro-päischen Ethnologie und anderen Nachfolgedisziplinen der Volkskunde.