Aufsatz in einer Zeitschrift 
Verdächtige Minderheit : Roma im Fernsehkrimi Tatort
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Bernhard Fuchs

ÖZV LXII/ 111

In Die schlafende Schöne werden hingegen junge Roma- Männerzu Objekten erotischer Sehnsüchte. Am Tatort des Mordes stellen dieErmittler lakonisch fest: Jede Menge Sperma. Die ProfessorinKarin Landauer symbolisiert das Verlangen von Gadje- Frauen nachexotischen Glossar ::: zum Glossareintrag exotischen jungen Männern. Ihr eigener Mann nennt sie voll Ironieeine ,, Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner- Spezialistin. Doch auch Leopold Landauer verkör-pert das gleiche Klischee: ein Nonkonformist, Bohemien und begab-ter Musiker, dunkler Typ mit lockigem Haar. Herr Landauer ist selbstein ehemaliger Student seiner Frau. Er erklärt dem Kommissar, siesei ein Engel und habe ihren neuen Lieblingsstudenten Mischa Laka-tos ,, aus tiefster Armut" errettet.

Roma werden als streitsüchtig und abergläubisch dargestellt. Sieleben in einer chaotischen Atmosphäre. Als die Polizei eine Haus-durchsuchung vornimmt, flieht ein junger Mann. Das Stereotyp derKriminalität wird bestätigt. Sie leben in Armut und jenseits von Rechtund Moral; ganz nebenbei erwähnt werden Drogendelikte und Heh-lerei.

Mischa hatte zwar die Stradivari aus Professor Landauers Hausgenommen, behauptet allerdings, dass er sie vor den betrunkenenPartygästen schützen wollte. Aus Angst vor der Polizei gesteht er amTelefon Herrn Landauer, dass das wertvolle Instrument bei ihm sei.Doch Landauer will die Situation für einen Versicherungsbetrugausnützen. Mischa soll ihm die Geige in einem Schließfach hinterle-gen. Landauer entnimmt erst die Stradivari, um sie außer Landes zubringen, dann kommt er zusammen mit der Polizei zurück und öffnetdas leere Schließfach. Daraufhin wird Mischa Lakatos verhaftet.Auch die Festnahme wird wie ein Biedermeier- Gemälde komponiert,voll Mitgefühl mit dem armen Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner.

Bald wird deutlich, dass die Roma unschuldig sind. Die Strukturdes Films besteht aus binären Oppositionen, die geschickt durchGrenzüberschreitungen und Diffusion verbunden werden. Das Werkist beinahe symmetrisch aufgebaut: Es beginnt mit Mischas Violin-solo, gefolgt von einer Sex- Szene und einem Mord. Die musikalischeBrücke stellt eine balancierende Achse her. Gegen Ende gibt es eineweitere Sex- Szene- Herr Landauer hat eine Affäre mit Yasmin, einerjungen Geigerin und Tontechnikerin. Dann ereignet sich ein weitererMord, dieses Mal ist Frau Landauer das Opfer. Am Ende stellt sichheraus, dass bereits der erste Anschlag ihr gegolten hätte. Die Täterinist Yasmin, die Nebenbuhlerin, die die Frau ihres Geliebten beseitigen