2008, Heft 4
Aus dem Fundus
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Mehlspeisen wurden überdies gerne bei der Bewirtung von Gästenaufgetischt, was der bürgerlichen Geselligkeitskultur entsprach.4
Die anderen vier Schreiberinnen folgten den Vorgaben ThereseSchwedas, ergänzten sie und differenzierten die Ordnung aus, wasvor allem auf die zweite Schreiberin zurückzuführen ist. An denStellen, an denen bereits Rezepte der ersten Schreiberin vorhandenwaren, schloss diese ihre an oder begann zwischen den leeren Seitenneue Rezeptkategorien. Diese Schreiberin verfasste mit Abstand diemeisten Rezepte. Die wenigen Rezepte der beiden folgenden Schrei-berinnen fügen sich in die vorgegebene Ordnung ein. Aus der Art, wiesich die Rezepte der drei Schreiberinnen ineinander fügen, kanndarüber hinaus geschlossen werden, dass sie im gleichen zeitlichenRahmen entstanden.
Die letzte Schreiberin notierte, wie ihre Vorgängerinnen, ihre Re-zepte an den Stellen ein, an denen noch Platz vorhanden war, nämlichmeist im Anschluss an die Rezepte der zweiten Schreiberin. EinigeRezepte aber wurden von ihr durchgestrichen oder mit einem senk-rechten Strich markiert, andere wurden mit ,, fad!" kommentiert.Zudem weisen eine Reihe von Rezepten Ergänzungen oder Ände-rungen auf. Zu vielen Rezepten wurden von ihr Namen notiert, wassowohl bedeuten kann, dass die Rezepte von den betreffenden Perso-nen stammten, als auch dass die Speisen von diesen gerne gegessenwurden. Anders als die übrigen Ergänzungen wurden die Namen nichtmit Bleistift, sondern durchgängig mit Tinte geschrieben. Vor allemdiese Eintragungen lassen erahnen, wie wichtig Kochen und Essen inihren sozialen Funktionen sind.
Diese Schreiberin war es auch, die nicht mehr wie ihre Vor-gängerinnen das alte, nicht normierte Maßsystem mit Wiener Pfundund Lot, sondern das metrische System verwendete, das im Jahr 1876in Österreich verbindlich eingeführt worden war. Neben vielen Re-zepten, die nicht von ihr selbst stammen, hat sie mit Bleistift Umrech-nungen der Maße ergänzt. Wann allerdings die letzte der fünf Schrei-berinnen diese Eintragungen gemacht hat, dies lässt sich nicht sagen;die Umrechnung der alten Maße in das neue System bereitete lange
4 Vgl. Mettele, Gisela: Der private Raum als öffentlicher Ort. Geselligkeit imbürgerlichen Haus. In: Hein, Dieter, Andreas Schulz( Hg.): Bürgerkultur im 19.Jahrhundert. Bildung, Kunst und Lebenswelt. München: Beck 1996, S. 155–169,hier S. 155.