Aufsatz in einer Zeitschrift 
Aus dem Fundus : Skizzen zur Objektanalyse im Museum
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Klara Löffler, Margot Schindler

ÖZV LXII/ 111

aus den zwischen einzelnen Rezeptgruppen freigelassenen Seiten.Die erste Schreiberin begann mit( Weihnachts-) Gebäck, ließ 46 Sei-ten frei und fuhr mit zwei Rezepten für Nusstorten fort. Danachfolgten 47 leere Seiten und darauf drei Seiten mit Rezepten für Torten.Warum hier zwei verschiedene Kategorien von Torten gebildet wur-den, ließ sich nicht ermitteln, diese Trennung konnte wie sich imgenaueren Blick auf die Rezepte erwies- nicht durch unterschiedli-che Herstellungsweisen oder Zutaten motiviert sein. Ihren letztenBeitrag leistete die erste Schreiberin nach weiteren 57 leeren Seitenmit einem Rezept für eine Creme française.

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Mit dem Prinzip der leeren Seiten gab Therese Schweda nicht nurein formales Ordnungskriterium vor, sondern legte auch die Grund-lage einer inhaltlichen Ordnung. Diese dürfte sowohl an den Bedürf-nissen der Benutzerinnen als auch am bereits damals etabliertenFormat Kochbuch orientiert gewesen sein. Seit dem späten 18. Jahr-hundert erschienen nämlich mehr und mehr Kochbücher aus den undfür die mittleren Gesellschaftsschichten. Diese waren zunächst nochstark an die Kochbücher der Oberschicht angelehnt, so dass sieweniger die alltägliche Ernährungssituation, als vielmehr ideale Vor-stellungen widerspiegeln. Zentrale Werke mit großem Einflussstammten von F. G. Zenker( ,, Nicht mehr als sechs Schüsseln! EinKochbuch für die mittleren Stände, 1820), von Anna Dorn( ,, Neues-tes Universal- oder Großes Wiener- Kochbuch, 1827) und von Ka-tharina Prato( ,, Die süddeutsche Küche. Für Anfängerinnen und prak-tische Köchinnen, 1858).2

Die Mehrheit der Rezepte lässt sich auf den ersten Blick denSüßspeisen und dem Nachtisch zuordnen. Es finden sich nur sehrwenige Fleischgerichte und diese nur gegen Ende des Kochbuches.Der große Anteil der Rezepte für Süßspeisen in Kochbüchern undRezeptsammlungen ist dadurch erklärbar, dass sich nicht zuletzt dankder rigorosen Fastengebote der katholischen Kirche die süße Mehl-speise als Nachspeise in Österreich ab 1800 zunehmend durchsetzte.³

2 Vgl. dazu Haslinger, Ingrid: Entwicklungsstationen einiger typischer Gerichteder Wiener Küche. In: Danielczyk, Julia, Isabella Wasner- Peter( Hg.): ,, Heut muẞder Tisch sich völlig bieg'n." Wiener Küche und ihre Kochbücher. Wien: Man-delbaum 2007, S. 11-48.

3 Vgl. dazu Maier- Bruck, Franz: Klassische österreichische Küche. Weyarn: See-hamer 2003, S. 486 u. Haslinger, Ingrid: Die Wiener Mehlspeisküche. In: Dani-elczyk, Wasner- Peter 2007( wie Anm. 2), S. 49–57.