Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LXII/ 111, Wien 2008, 377-404
Aus dem Fundus
Skizzen zur Objektanalyse im Museum
Der Umgang mit Gegenständen ist im Museum wie in anderenAlltags- und Arbeitszusammenhängen zumeist durch geziel-tes Auswählen und Zusammenstellen bestimmt. Für die ent-gegengesetzte Strategie stehen die vorliegenden Texte, die aufeine Lehrveranstaltung des Instituts für Europäische Ethnolo-gie und des Österreichischen Museums für Volkskunde zu-rückgehen. Die Autorinnen und der Autor losten die jeweilsvon ihnen bearbeiteten Objekte: vom Adventkalender, überdie Haribo- Glücksbox Europa bis zu Miniatur- Prangstangen;ihnen war keine spezifische Themen- und Fragestellung vor-gegeben. Im Gegenteil: Ihre Aufgabe war es, entlang derSpuren, wie sie das jeweilige Objekt, dessen Material, Form,Funktion, vorgab, Ansätze zur Analyse von Bedeutungs-ebenen und Aneignungsweisen der Objekte- in Alltagen wieim Museum- zu entwickeln.
Leseanleitung
Klara Löffler, Margot Schindler
Das ,, semantische Klima", in dem Objekte verhandelt werden, istnicht selten von Misstrauen bestimmt. Dieser Befund von RolandBarthes trifft auch auf die Gegenwart zu. So konstatiert Hans PeterHahn in seiner Einführung in die ,, Materielle Kultur“ die Prominenzdieser Perspektive in der wissenschaftlichen wie auch in der künstle-rischen Auseinandersetzung mit Dingen.2 Anthologien und Ausstel-lungen unter dem Titel ,, Tücke des Objekts" verweisen ebenfalls aufden Eigensinn der Dinge und auf die Probleme im Umgang mit denDingen.³ Auch wir hatten unsere Lehrveranstaltung, eine Kooperationzwischen dem Institut für Europäische Ethnologie der Universität
1 Barthes, Roland: Semantik des Objekts.[ 1963] In: Ders.: Das semiologischeAbenteuer. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1988, S. 187–198, hier S. 189.
2 Hahn, Hans Peter: Materielle Kultur. Eine Einführung. Berlin: Reimer 2005,S. 46-49.
3 Vgl. u.a. Ferus, Katharina, Gerit Herlyn, Dietmar Rübel( Hg.): Die Tücke desObjekts. Vom Umgang mit den Dingen. Berlin: Reimer 2008.