Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

364

Literatur der Volkskunde

ÖZV LXII/ 111

Franz) allemal. Sie zeigt einmal mehr, wie sehr Musik, Dichtung und dasMusikalische in Gegenden, die nicht zu den Musikzentren Österreichszählen, entstanden, verbreitet und gelebt wurden. Immer sind es begeis-ternde Einzelkämpfer, die sich mit anderen Begeisterten zusammen-schließen und der Laienmusik zu Popularität und Wirkung verhelfen. Dadiese Musik häufig eben auch nur in der Region wahrgenommen wurde,wurde sie von Seiten der, professionellen" Musik und auch der Musikwis-senschaft kaum rezipiert. Und so- und das macht die Veröffentlichung zujener Popularmusik des 19. und frühen 20. Jahrhundert auch deutlichentwickelte sie in ihrer Isoliertheit in der Wahrnehmung der dortigen Men-schen so etwas wie Einzigartigkeit. Zötl, Schnopfhagen und deren Mitstrei-ter im Stelzhamerbund hoben einen Literaten auf den Schild, der als ,, öster-reichischer Schriftsteller der Hochsprache gescheitert, zum nationalenRetter der Heimat aufgrund seiner Mundartdichtungen wurde. Jenseits derRegion kennt kaum jemand Stelzhamer( sehr wohl aber Peter Rosegger) undSchnopfhagen schon gar nicht.

-

Desideratum in diesem Band bleibt die Auseinandersetzung mit deroberösterreichischen Landeshymne, deren Text in den heutigen Ohren undohne das Wissen um die politisch- gesellschaftliche Lage in der Entstehens-zeit seltsam harmlos, und fast peinlich naiv klingt( ,, Hoamatland, Hoamat-land! I hån di so gern, wiar a Kinderl sei Muada, a Hinderl sein Herrn...").Dass ein völkischer Deutsch- Nationalismus des 19. und 20. Jahrhundertsdahintersteht, vor dessen Hintergrund, die ,, Hoamat das einzig Wahre undBewahrenswerte darstellte, und alles ,, Andere" ausgrenzte, wird vorsichtigzwischen den Zeilen angedeutet, aber niemals ausformuliert. Auch fehlt dergenaue Text, sowie der Abdruck der vollständigen Melodie, deren schöneEingängigkeit so nehme ich an- auch ein Gutteil dafür verantwortlich ist,dass Schnopfhagen im Gedächtnis der Oberösterreicher blieb.

Michaela Haibl

Erratum

In der Rezension von Andreas Schmidt zu BINDER, Susanne und Geb-hard FARTACEK( Hg.): Der Musikantenstadl. Alpine Populärkultur imfremden Blick. Wien 2006, erschienen in Heft 2/2008, wurde André Gin-grich, ordentlicher Professor für Ethnologie/ Sozialanthropologie an derUniversität Wien fälschlicherweise als Soziologe bezeichnet. Wir bitten,diesen Fehler zu entschuldigen.