Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
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2008, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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nicht weniger als die ,, Idealtypen der jeweiligen Epochen zu rekonstruierenund ,, die großen Linien ihrer Modifizierung im Laufe der Geschichte( S. 9)aufzeigen. Dies ist Wolfgang Schmale auf eindrückliche Weise und in einerSprache gelungen, die das Buch auch für ein außeruniversitäres Publikumlesbar macht. Trotz der schlaglichtartigen Perspektivierung der Männlich-keitsmodelle gelingt es dem Autor, kulturelle Konstellationen und Transfor-mationen männlicher Identitätskonzepte transparent zu machen, Fragmen-tarisches zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, das den Leserinnen undLesern interessante Einblicke in die historische Dimension von Männlich-keitskonstruktionen gibt.

Ralph Winkle

PÖTTLER, Viktor Herbert: Gebaute Urväter- Weisheit. Gründung, Pla-nung und Aufbau des Österreichischen Freilichtmuseums zu Stübing beiGraz. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 2005, 280 Seiten,zahlr. Ill., Kt.

Der bei der renommierten ADEVA erschienene, üppig ausgestattete Bandstellt wohl so etwas wie ein Vermächtnis des bedeutenden Hausforschers,Gründers und langjährigen Leiters des Österreichischen Freilichtmuseumsdar. Würde man den Autor nicht als Doyen der Freilichtmuseumsszene undausgewiesenen Gelehrten kennen, würde man angesichts des allzu roman-tisch geratenen Titels sicher zögern, das Buch in die Hand zu nehmen undeiner ernsthaften Rezension zu unterziehen. Zu sehr klingt der Titel nachden im 19. und frühen 20. Jahrhundert so verklärten ,, Urvätern". So abermachen Titel und Untertitel des Werkes doch neugierig und veranlassen zueiner intensiveren Beschäftigung mit dem Text. So romantisch übrigens derTitel, der ja tatsächlich aus dem Umfeld der Romantik entstammt, auchscheinen mag, so ist es doch Adolf Loos, der 1913 seinen Schülern riet:,, Achte auf die formen, in denen der bauer baut. Denn sie sind der urväter-weisheit geronnene substanz."( 1913).

Pöttler beginnt sein Werk mit einer Vorbemerkung, die insofern interes-sant ist, als er hier bereits andeutet, dass er diese Veröffentlichung als Dankan alle versteht, die ihn auf seinem beruflichen Weg begleitet haben( dieskommt auch in der Widmung zum Ausdruck).

2005 als Jahr der Veröffentlichung hat zweifellos eine symbolische Di-mension, übergab Pöttler doch anlässlich der Vollendung seines 80. Lebens-jahres im Herbst 2004 das Museums in die Hände seines Sohnes Egbert.Viktor Herbert Pöttler leitete Stübing seit seiner Gründung 1962 und war