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Literatur der Volkskunde
ÖZV LXII/ 111
schen Fakultät der Friedrich- Wilhelms- Universität Berlin einreichte. Beitlerhielt im Juli 1933 seine Venia legendi für ,, Deutsche Philologie, insbeson-dere für Deutsche Volkskunde“, die Habilitationsschrift jedoch blieb unge-druckt( S. XIVf).
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Für seine Forschung wählte Richard Beitl Mannhardts Frage nach ,, be-sondere( n) Redensarten, um die kleinen Kinder vom Verlaufen in einGetreidefeld abzuhalten die auch für die ADV- Erhebungen im Jahr 1930gestellt wurde( S. 5). Seine Fragestellung war primär eine methodologischenach den ,, Erkenntnismöglichkeiten des historischen Vergleichs parallelerMythenkarten“, die Absicht,„ jene Wahrscheinlichkeit, mythische Über-lieferungsinhalte durch die kartographische Methode der wissenschaftli-chen Forschung von einer neuen Seite erschließen zu können, zur Sicherheitzu erheben“, und ,, die Fruchtbarkeit der kartographischen Methode für dieVolkskunde und die Kultur- und Geisteswissenschaft überhaupt darzutun“( S. 10). Für die Frage nach der Interpretation des Quellenmaterials wendeter sich zum einen gegen das etymologische Herleiten von Bedeutung undwill dieser durch die ,, Wortgeographie“( er nennt sie auch ,, Volksetymolo-gie“) ein Korrektiv gegenüberstellen- man könnte auch sagen: Er will einesprachwissenschaftliche Herleitung von Bedeutung von Worten durch diekulturwissenschaftliche Analyse ihres Gebrauchs und ihrer Verwendungs-geschichte ergänzen. Zum anderen grenzt er sich ab gegen ,, die Zurückfüh-rung mythischer Gestalten und Motive auf primäre psychologische Tatbe-stände", was er sowohl an Mannhardts Interpretationen als auch an völker-psychologischen Deutungen kritisierte. Stattdessen versuchte er ,, die Her-kunft" mythischer Gestalten über die geographische Methode zu rekonstru-ieren( S. 10f). Ausdruck seiner methodologischen Orientierung ist auch dieKritik, mit der er die Formulierung von ,, zu engen oder zu weiten" und ,, vorallem der irgendwie suggestiven Fragestellung“ bei der Datenerhebung fürden ADV problematisierte( S. 11). Nach dem kurzen Kapitel zu Fragestel-lung und Methode( S. 13-14) folgt die mit zahlreichen Belegen gestalteteDarstellung des empirischen Materials in zwei umfangreichen Kapiteln zuKorndämonen in weiblicher, männlicher und tierischer Gestalt( S. 15-97)und zu Kinderscheuchen( S. 98–155). Seine Herangehensweise einer Syn-these und Ergänzung bis dahin vorliegender volkskundlicher Interpretatio-nen für Mythenmaterial wird besonders deutlich bei der Darstellung zur,, Roggenmuhme“, die die am häufigsten genannte Kinderschreckgestaltwar. Beitl resümiert, dass das aufgrund eines ,, sechsfachen Wege( s)" zustan-de kam: ,, durch den alten Vegetationsmythus, durch dessen Verbindung mitanderen Mythen, durch Einbürgerung als Übersetzungswort, durch sprung-haften Import( Zuwanderung), durch literarische Übertragung( Schule undBuch) und endlich durch organisches sprachliches Wachstum von Ort zu