Jahrgang 
111 (2008) / N.S. 62
Seite
337
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LXII/ 111, Wien 2008, 337–364

Literatur der Volkskunde

BEITL, Richard: Untersuchungen zur Mythologie des Kindes( Habilita-tionsschrift, Berlin 1933)(= Mainzer Beiträge zur Kulturanthropologie/Volkskunde, hg. von der Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland- Pfalze. V., Bd. 1). Herausgegeben und eingeleitet von Bernd RIEKEN und Micha-el SIMON. Mit Beiträgen von Klaus BEITL und Thomas K. SCHIPPERS.Münster u.a.: Waxmann, 2007. 234 Seiten, 28 Abb., und 1 CD- ROM.

Die Fachgeschichte der Volkskunde und der Formierung volkskundlicherInteressen ist seit Ende der 1980er Jahre vermehrt Gegenstand der For-schung. Diese quantitative Zunahme ist durch eine qualitative Veränderungund Erweiterung der Untersuchungsperspektiven charakterisiert: Im Zugeder Fachreformen der 1960er und 1970er Jahre dominierte lange eineHerangehensweise, die sich auf die ,, Kritik der Volkstumsideologie( Wolf-gang Emmerich) konzentrierte, das Fach historisch aber auch auf diesereduzierte. Das wurde aber vor allem ab Ende der 1990er Jahre erweitertdurch eine empirisch- historische Dokumentation und Analyse der Ge-schichte einzelner Wissenschaftler( seltener Wissenschaftlerinnen) und In-stitutionen( Vereine, Museen, Zeitschriften, universitäre oder andere Insti-tute). In diesem Kontext ist das vorliegende Buch, die Edition der bislangunveröffentlichten Habilitationsschrift von Richard Beitl aus dem Jahr1933, anzusiedeln.

Die Herausgeber dokumentieren den im Archiv der Humboldt- Universi-tät zu Berlin und im privaten Nachlass recherchierten wissenschaftlichenWerdegang Beitls, der zwar ,, mit einem klassischen Thema aus der Goethe-forschung promoviert worden war, jedoch bereits im Studium durch, wieBeit selbst schrieb ,,, die altertums kundlichen und folkloristischen Vor-lesungen von Roethe und Hübner zur Sammlung von Sagen in seinerHerkunftsregion, dem Montafon, angeregt worden war( S. XVI). NachTätigkeiten als Jugendpfleger und im Bühnenvolksbund kam Beitl durchAdolf Helbok im Frühsommer 1928 zum Atlas der Deutschen Volkskunde.Beitl wurde mit der Sichtung des Fragebogenmaterials im Mannhardt- Nach-lass beauftragt und arbeitete damit an der Schnittstelle der Überführung desalten Gewährsmannprinzips in die neue kartographische Methode. Ausdiesen Forschungen ging seine Habilitationsschrift Untersuchungen zurMythologie des Kindes hervor, die er im Februar 1933 an der Philosophi-