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Chronik der Volkskunde
ÖZV LXII/ 111
Friederike Prodinger( 1913–2008) –ein Leben für die Vokskunde
Friederike Prodinger hat ihr gesamtes Leben der Volkskunde, der Kunst,dem Museum und ihrer Familie gewidmet. Sie hatte in ihrem langen Lebenviele Schicksalsschläge zu überwinden und war trotzdem immer ein liebens-würdiger, sehr positiv denkender Mensch. Jetzt ist sie bald nach ihrem95. Geburtstag, an dem ich sie gemeinsam mit Peter Husty noch besuchendurfte, ruhig entschlafen.
Friederike Prodinger wurde am 30. Mai 1913 mitten in der SalzburgerAltstadt, in der Sigmund- Haffner- Gasse 6 als dritte Tochter des aus Ober-österreich stammenden Kaufmannsehepaares Josef und Franziska Pühringergeboren. Hier absolvierte sie vier Klassen Realgymnasium bei den Ursuli-nen und die Oberstufe am humanistischen Gymnasium. Sie studierte dannKunstgeschichte, Geschichte, Geographie und Volkskunde und promovierte1939 an der Universität Graz mit dem Dissertationsthema„ Kulturgeogra-phisches Profil durch Salzburg“, begann danach ihre wissenschaftlicheTätigkeit als Assistentin von Prof. Richard Wolfram an der„, Forschungs-und Lehrgemeinschaft, Das Ahnenerbe' in Salzburg und heiratete denJuristen Dr. Eberhard Prodinger. 1940 arbeitete sie bereits ehrenamtlich amdamals städtischen Museum Carolino Augusteum für den hochbetagtenEhrenkustos Schulrat Karl Adrian. Im selben Jahr kam ihre Tochter Irmtrautzur Welt. 1942 übernahm Friederike Prodinger am Museum das Kustodiatfür Volkskunde und hatte die bittere Nachricht entgegen nehmen müssen,dass ihr Mann in Russland vermisst wurde und dies auch auf Dauer blieb.So musste sie ihre kleine Tochter allein großziehen.
Während der folgenden Kriegsjahre war Friederike Prodinger vor allemmit der Sicherung der Museumsgüter in außen liegende Gebäude und Stollenim Salzbergwerk Hallein beschäftigt. Sie hat mir mehrfach erzählt, wieschwierig das war, weil allein die Beschaffung von Kisten und vor allemvon Fahrzeugen auf größte Probleme stieß. Wie wichtig diese Arbeit war,zeigte sich dann, als am 16. Oktober 1944 das Museum durch Bombenschwer getroffen wurde. Statt Sicherung stand dann die Bergung der ver-schütteten Objekte im Mittelpunkt ihrer Arbeit.
1945 nach Kriegsende wurde Friederike Prodinger aus dem Museums-dienst entlassen und wurde zu verschiedenen Hilfsarbeiten verpflichtet.Ende 1947 erfolgt die Wiedereinstellung in den Museumsdienst und siewidmete sich mit großem Elan dem Wiederaufbau, auch wenn damals dieMängelverwaltung in privater wie in beruflicher Hinsicht auf der Tagesord-nung stand. 1950 konnte sie bereits die erste Nachkriegsausstellung auf der