2008, Heft 3
Chronik der Volkskunde
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Edith Hörandner( 12.2.1939–20.6.2008)
Mit Editha* Hörandner starb im vergangenen Juni die erste Frau auf einemLehrstuhl für Volkskunde an einer österreichischen Universität. Nachdemes in hierzulande keine Lehrstühle mehr gibt, wird sie auch die einzigebleiben. Nicht einmal ein Jahr überlebte sie die Emeritierung und es scheint,dass es die Verpflichtungen als Ordinaria und Institutsleiterin waren, die diein den letzten Jahren gesundheitlich schon sichtbar Angeschlagene aufrechthielten.
In den letzten Monaten war Edith Hörandner zunehmend von ihrerkörperlichen Schwäche gezeichnet und konnte sich nur mehr mühsam undunter großen Schmerzen bewegen. Ich erinnere mich an unser letztes ge-meinsames Rigorosum im März dieses Jahres, als sie nur mehr sehr langsamin Richtung Prüfungszimmer gehen konnte und meinte, in Zukunft müsstendie Prüfungen in einem für sie leichter erreichbaren Zimmer abgehaltenwerden. Es sollte leider ihr letztes Rigorosum sein. Sie hat aber nicht nursolange wie möglich ihre kommissionellen Prüfungen abgehalten, sie hatsich im vergangenen Studienjahr trotz angeschlagener Gesundheit auchnoch den Mühen zweier Exkursionen nach Innsbruck und Wien unterzogen.Bis zuletzt hat sie sich überdies bemüht, ihren Korrekturpflichten nachzu-kommen, was ihr nicht mehr zur Gänze vergönnt war.
Wenn ich als ehemaliger Mitarbeiter und langjähriger Stellvertreter EdithHörandners nun einen Nachruf schreibe, geht es mir dabei wie vielen indieser Situation: Man reflektiert die gemeinsame Zeit und es mischen sichwichtige Fakten im Leben der Verstorbenen mit persönlichen Erinnerungen.Und diese gemeinsamen Erinnerungen reichen mehr als 20 Jahre zurück.Doch es ist nicht nur der gemeinsame berufliche Weg, an den erinnertwerden soll, es ist vielmehr ein an Erfahrungen reiches Leben, dem es hierwenigstens in Ansätzen gerecht zu werden gilt.
Edith Hörandner kam als Tochter von Anna Klenk und des Gendarmerie-beamten Anton Klenk im niederösterreichischen Korneuburg zur Welt,maturierte 1957 mit Auszeichnung und widmete sich zunächst dem Studiumder Anglistik, Germanistik und Philosophie. Es gehörte zu den Leitlinienihres lebensgeschichtlichen Erzählens, dass sie 1958 mit dem Schiff nachBoston reiste, um dort ein Jahr an der Boston University ,, English Literatu-re“ und„, Cultural Anthropology“ zu studieren. Nach ihrer Rückkehr setzte
* Der offizielle Vorname lautet Editha, in diesem Text wird aber die von ihr häufigergebrauchte Schreibweise ,, Edith" verwendet.