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Chronik der Volkskunde
ÖZV LXII/ 111
und berühmten Forscherpersönlichkeiten aus. Das Motiv des reisendenAbenteurers taucht sowohl in Herbert Nikitschs biographischer Untersu-chung als auch in Matthias Beitls Archiv- und Sammlungspräsentation auf.Trebitschs wissenschaftliche Leistungen mögen selbst in ihrer Zeit nichthervorhebenswert gewesen sein, doch die Summe seiner publizistischen undsammlerischen Tätigkeit stellt einen wissenschaftsgeschichtlichen und mu-seologisch- materiellen Wert dar. Herbert Justnik, Kurator der Fotosamm-lung am Wiener Volkskundemuseum, ortete im von Trebitsch hinterlassenenFotobestand ethnographische neben illustrativer Fotografie, wobei die tou-ristische Perspektive überwiege.
Kritische Positionen zur wissenschaftlichen Hinterlassenschaft von Ru-dolf Trebitsch brachte Bernhard Hurch vom Institut für Sprachwissenschaf-ten der Universität Graz ein. Im Zusammenhang mit den schon genanntenbaskischen Sprachaufnahmen vermisst er bei Trebitsch jeglichen methodo-logischen Zugang.
Die inhaltliche und organisatorische Arbeit führten regionale Persönlich-keiten, wie beispielsweise der Baskologe Julio de Urquijo, aus. Trebitschwar primär ein„ Unternehmer“, seine Qualitäten lagen offenbar in einerguten Vernetzungsarbeit, auf die Christian Liebl vom PhonogrammarchivWien hinwies. In den Beiträgen der„ Celtic Recordings“ tauchen vielebekannte Persönlichkeiten und Spezialisten auf. Auch bei seinem Grönland-aufenthalt baute er auf einige Kooperationen. Bei seiner Reise ins Basken-land hatte Trebitsch so viele soziale Kontakte, dass er laut Bernhard Hurchim Briefverkehr mit dem Romanisten Hugo Schuchardt( 1842-1927) inGraz, der ihn auch laufend beriet, darüber klagte, dass er nie wirklich in dieRegion ,, eindringen“ konnte. Laut Hurch belegt ein Brief von MichaelHaberlandt an Hugo Schuchardt auch, dass die Sammlungen aus demBaskenland seiner Meinung nach nicht hervorragend seien.
Bei aller Kritik wies Christian Feest, Direktor des Wiener Museums fürVölkerkunde, auf den wissenschaftsgeschichtlichen Hintergrund von Tre-bitschs Aktivitäten hin. Viele Fehler seiner Forschungstätigkeit, die wirheute sehen, seien die Fehler seiner Zeit. Feest hob anhand der Grönland-sammlung am Völkerkundemuseum Aspekte des cultural change in Tre-bitschs Sammlungstätigkeit hervor. Die Sammlung unterteilt sich in vierObjektgruppen. Es gibt 145 Objekte prähistorischer Steinwerkzeuge, 45Objekte von Gräbern und Wohnstätten, rund 45 Objekte aus Ostgrönland,die Trebitsch bei der Dänischen Grönlandhandelskompanie in Kopenhagenkaufte und 120 Objekte, die auf Grund ihres hybriden Charakters die