2008, Heft 3
Mitteilung
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Gegenübers, mit dem man reden kann. 26 Doch jenseits solcher psychologi-stischer Deutungen bleibt für meine weiteren Überlegungen nur festzustel-len, dass diese Eintragungen unabhängig von spezifischer Intention zu seinscheinen, dass sie, im Sinne gängiger Frömmigkeits- bzw. Votivforschunggesprochen, ohne expliziten Anlass sind- mit anderen Worten: dass sieihren Anlass in sich selbst haben. Und gerade das ist es, was sie( neben ihrerquantitativen Häufung) mit den Votivtafeln des vorhin erwähnten Votantenim Minoritenkloster in der Alserstraße verbindet.
Dessen Dankesbezeigungen sind mir erstmals in der Döblinger JudasThaddäus- Kirche untergekommen, wobei der Plural bereits hier anzuwen-den ist, es sind nämlich gleich zwei Stück, die in der nicht allzu geräumigenKapelle hängen. Und sie unterscheiden sich auch hier markant: Sie sindüberformatig, sie übersteigen die Durchschnittsgröße der sonst hier zusehenden Votivtafeln um ein Vielfaches, sie weisen sich statt der üblichenInitialen mit voller Namensnennung aus, und sie sind ungewöhnlich deko-rativ graviert wobei bei einer Tafel auch nicht vergessen wird, mit demHinweis auf den Urheber ihres„ Entwurfs“ gewissermaßen auf das Copy-right ihrer Gestaltung hinzuweisen. Doch die Promulgation( und wohl auchOstentation) des Votanten ist auch noch in verschiedenen anderen WienerKirchen dokumentiert- meist in renommierten Gotteshäusern wie etwa derMichaeler- oder der Minoritenkirche. Auch hier sind sie in der Regel anexklusiver Stelle platziert- und im übrigen ganz verschiedenen Heiligengewidmet, also diesbezüglich recht beliebig zu nennen. 27 Und überall erhelltsich die wohl auch weltliche Intention dieser Weihegaben insofern, als aufden meisten neben dem üblichen ,, Dank und Bitte" Hinweise auf Beruf( ,, Staatsbeamter i. P.“) und Genealogie( ,, I[ n] M[ emoria] General Julius u.Hermine Hoppe. In Ehrung Eugen Hoppe, Sohn 1966") des gern als ,, Leo-poldritter 28 firmierenden Spenders nicht fehlen( Abb. 5). Über dessen Her-kunft und Lebenslauf weiß ich trotz einiger Recherche kaum etwas- nicht
26 Nikitsch 1990( wie Anm. 24), S. 201.
27 Allein in der Votivkirche finden sich so zwei vor Antonius, eine vor dem hl.Joseph und zwei vor Maria von Guadalupe.
28 Der Österreichisch- kaiserliche Leopold- Orden war ein 1808 gestifteter Ver-dienstorden, mit dessen Verleihung bis 1884 die Erhebung in den erblichenösterreichischen Ritter- bzw. Freiherrenstand verbunden war.( Näheres dazu etwabei Czeike, Felix: Historisches Lexikon Wien, Bd. 4, Wien: Kremayr& Scheriau1997, S. 34 oder Frank zu Döfering, Karl Friedrich von: Alt- ÖsterreichischesAdels- Lexikon. Wien: Selbstverlag des Verfassers 1928, S. IX). In der Regel anMinister, hohe Geistliche und Generale verliehen, erinnert diese Auszeichnungbzw. ihre Nennung an den Beruf des Vaters( 1866-1943), seines Zeichens alsGeneralmajor letzter Kommandant des k.k. Gebirgsschützenregiments Nr. 1 undRitter des Leopoldordens.