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Mitteilung
ÖZV LXII/ 111
auf ,, Verkümmerungserscheinungen der Neuzeit“ 14 hingewiesen, bei denendas eigentliche Votivbild wegfällt und nur die- nunmehr meist in Steingravierten- Inschriften übrigbleiben. Und er hat diese im übrigen- als eineder wenigen Ausnahmen im Fach, das dergleichen in den Sammlungen undDokumentationen nicht berücksichtigt hat¹5- schon Ende der 30er Jahre inseiner ,, Wiener Volkskunde“ als Phänomen des ,, städtischen Wallfahrtswe-sens" gewürdigt:„ Eine wahre große Volkswallfahrt auch der Gegenwart istdie zum h. Antonius in der Alserkirche. Dort befinden sich wohl nurmoderne, meist marmorne Votivtafeln, Steinmetzarbeit, mit den üblichenwenigen Danksagungsworten, doch sind es sicherlich weit über tausendTafeln[...] Wenn irgendwo, dann wird es hier fühlbar, daß der Herzschlagder Volksfrömmigkeit in den Goldlettern der einförmigen Steintafeln ebensoschlägt wie in den schönsten barocken Holztafelbildern der einfachstenKapelle des Alpenlandes.“ 16 Tatsächlich kann ein Besuch des Kreuzgangesim Minoritenkloster in der Alserstraße noch heute einen nachhaltigen Ein-druck hinterlassen- viele der Votivtafeln stammen aus oder nach dem ErstenWeltkrieg und viele nennen in verzweifelter Hoffnung die Namen oft kaumdem Schulalter entwachsener vermisster Soldaten. Es finden sich aber auchRelikte jüngeren Datums – und darunter auch die„ Deponia pia“ 17 eines mirvon meinen Kirchenstreifzügen schon gut bekannten Votanten: Sie stammtaus den 60er Jahren, ist, nicht im Verbund mit anderen Tafeln, an rechtprominenter Stelle eingelassen, und auch das Material ist recht ungewöhn-lich und selten.
Doch bevor die qualitativ und – wie wir sehen werden- auch quantitativrecht ostentativ wirkende Kundgebung dieses Gläubigen näher betrachtetwird, noch ein paar Worte allgemein zu den ,, bildlosen Texttafeln“ 18 und zu
14 Schmidt 1948( wie Anm. 5), S. 109.
15 Nur en passant wird in einschlägiger Literatur die Reduktion der bildlichenDarstellungen angesprochen, in deren Folge ein ,, zuweilen ziemlich ausführli-cher Schriftteil festzustellen[ ist], der sich später vielfach auf Formeln wie, exvoto reduziert, im 19. Jahrhundert ausführlicher wird und sich schließlich alsreine Inschriftentafel aus Marmor, Holz, Blech oder Karton verselbständigt".Heim, Walter: Briefe zum Himmel. Die Grabbriefe an Mutter M. TheresiaScherer in Ingenbohl. Ein Beitrag zur religiösen Volkskunde der Gegenwart(= Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, 40). Basel: Krebs1961, S. 11. Über solche Andeutungen hinaus ist diese Art der„, Weihegaben“ –,, heute meist beschriftete Steinplatten“, wie Brückner sie im Lexikon für Theo-logie und Kirche lapidar und ohne weitere Hinweise nennt im Fach kaumregistriert worden. Brückner 2001( wie Anm. 3), Sp. 907.
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16 Schmidt, Leopold: Wiener Volkskunde. Ein Aufriß. Wien, Leipzig: Gerlach&Wiedling 1940, S. 95f.
17 Dünninger, Hans: Deponia pia. In: Jahrbuch für Volkskunde 1978, S. 238-240.