2008, Heft 3
Das ÖMV in Zeiten politischer Umbrüche
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1981).126 Schmidt hatte seine wissenschaftliche Laufbahn nach seinerPromotion 1935 mit der Bearbeitung der Sammlung für ,, deutschereligiöse Volkskunde“ von Rudolf Kriss begonnen, Kriegseinsatz undGefangenschaft unterbrachen seine Karriere. 1946 wurde er General-sekretär des neu gegründeten Museumsvereins 127, 1947 konnte er dieNeuaufstellung der Schausammlung abschließen, die„, bewusst aufdas neugewonnene Österreich in den Grenzen der Republik be-schränkt wurde“ 128. Als ein Spiegelbild des nach dem Zweiten Welt-krieg sich herausbildenden österreichischen Staatsbewusstseins mitversuchter Abgrenzung zur jüngsten NS- Vergangenheit 129 und einer,, Austrifizierung aller Lebensbereiche“ 130 lassen sich auch die Neu-benennungen von Museum und Verein lesen: Die Direktion desMuseums beantragte schon im Juli 1945 die Umbenennung in ,, Öster-reichisches Museum für Volkskunde“ 131, das von 1919 bis 1944 als,, Wiener Zeitschrift für Volkskunde“ geführte Organ hieß ab derersten Nachkriegsnummer ,, Österreichische Zeitschrift für Volkskun-de“. ,, Österreich“ oder„, österreichisch" waren auch programmati-sche Attribute in den Titeln der ersten Sonderausstellungen nach1945: ,, Volksschauspiel in Österreich“( 1946) ,,, ÖsterreichischeTrachten in der Volkskunst und im Bilde“( 1947) ,,, Volkslied- For-schung und Volksliedpflege in Österreich"( 1949, in Zusammenarbeit
126 Anstellungsantrag per 31.1.1946, Heinrich Jungwirth an das Bundesministeriumfür Unterricht, 4.3.1946, ÖMV, Ktn. 33, Runderlässe 1-250, Jg. 1946.127 Zu Leopold Schmidt siehe u.a. ein Nachruf von Klaus Beitl, veröffentlicht in derÖsterreichischen Zeitschrift für Volkskunde XXXVI/ 85( 1982), S. 1-4 oder auchNikitsch, Herbert: Leopold Schmidt und die Lösung des Gordischen Knotens.In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LVII/ 106( 2003), S. 1-21 bzw.Nikitsch( wie Anm. 2), S. 247ff.
128 Beitl, Klaus: 90 Jahre Österreichisches Museum für Volkskunde. Zentralmuseumund Museumsdezentralisation. In: Österreichische Zeitschrift für VolkskundeXXXIX/ 88( 1985), S. 236.
129 Botz und Müller sprechen diesbezüglich von einer ,, Sowohl- als- Auch"-Mentali-tät Österreichs, von Diskontinuität und Kontinuitäten im Verhältnis zur NS- Zeit( Botz, Gerhard, Albert Müller: Differenz/ Identität in Österreich. Zu Gesell-schafts-, Politik- und Kulturgeschichte vor und nach 1945. In: ÖsterreichischeZeitschrift für Geschichtswissenschaften 6[ 1995/1], S. 12).
130 Köstlin, Konrad: Volkskunde: Pathologie der Randlage. In: Acham, Karl( Hg.):Geschichte der österreichischen Humanwissenschaften. Bd. 4- Geschichte undfremde Kulturen. Wien: Passagen 2002, S. 371.
131 Direktion des Museums an das Kulturamt der Stadt Wien, 10.7.1945, ÖMV, Ktn.32, Verein.