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Birgit Johler
ÖZV LXII/ 111
wachsende Jugend„ zu einer tieferen Auffassung vom Volkstum❝99heranzuführen.
Dieses Werben des Direktors um die Aufmerksamkeit der Jugend-lichen muss vor dem Hintergrund einer intensiven NS- Volkstums-pflege gelesen werden. Auch für die Nationalsozialisten begann,, Volkserziehung“ schon bei den Kindern und Jugendlichen, sie gal-ten als zukünftige Verteidiger der ,, Volks- und Kulturgemeinschaft“und wurden zu Adressaten einer aggressiven NS- Propaganda, die siezu Pflege von Musik und Liedgut, Fest- und Feierkultur oder auchLaien- und Puppenspiel animierte.100
Bedeutungsvoll nicht nur für die wissenschaftliche Biografie Ar-thur Haberlandts sondern wohl auch für das Haus und seine Samm-lungen ist die Bestellung des Direktors in den Einsatzstab des Reichs-leiters Rosenberg( ERR) mit Jahresende 1941.101 Dieser wurde imSommer 1940 nach Beendigung des Westfeldzuges von Alfred Ro-senberg gegründet, die erste ,, Dienststelle" befand sich in Paris. 102 Mitder Expansion des ,, Dritten Reichs" in den Osten wurde RosenbergsMacht durch seine Ernennung zum ,, Reichsminister für die besetztenOstgebiete" im Juli 1941 erweitert. 103 Der„ Führererlass“ vom1.3.1942 erteilte ihm offiziell das Recht, nun auch im Osten sämtliche,, weltanschaulichen“ und kulturellen Einrichtungen wie Bibliothe-ken, Archive oder auch Logen nach Material zu durchforsten und fürdie später einzurichtende Hohe Schule der NSDAP ,, sicherzustel-len“.104 Dasselbe galt für„ Kulturgüter, die im Besitz oder Eigentumvon Juden, herrenlos oder nicht einwandfrei zu klärender Herkunftsind".105 Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg war von allen natio-
99 Arthur Haberlandt an die Reichsstelle Süd- Ost und Gebiet Wien derReichsjugendführung, 3.4.1939, ÖMV, Ktn. 25/2, Museum.
100 Hering, Sabine, Kurt Schilde: Das BDM- Werk ,, Glaube und Schönheit“. DieOrganisation junger Frauen im Nationalsozialismus. Berlin: Metropol Verlag,2000, S. 49.
101 Arthur Haberlandt an den Generalkulturreferenten Dr. W. Thomas, 1.1.1942,ÖMV, Ktn. 28, 01.- 03.1942.
102 Piper, Ernst: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München: Pantheon 2007,S. 489.
103 Lixfeld( wie Anm. 52), S. 270.
104 Kater, Michael H.: Das ,, Ahnenerbe“ der SS 1935-1945. Ein Beitrag zur Kul-turpolitik des Dritten Reiches.(= Studien zur Zeitgeschichte, 6). München:Oldenbourg 2001, S. 295.
105 Führererlass vom 1.3.1942, hier zit.in: Piper( wie Anm. 102), S. 501.